Königsteiner Hospizdienst: Wenn das Leben zu Ende geht

Was bewegt Menschen dazu, Sterbende auf ihrem letzten Weg zu begleiten? Für Heike Kirsch aus der Hospizgemeinschaft Arche Noah liegt die Antwort auf der Hand: „Auch ich profitiere menschlich davon.“

„Mir ist die Endlichkeit des Lebens klar geworden“, sagt Heike Kirsch, die als ehrenamtliche Hospizhelferin für die Hospizgemeinschaft Arche Noah Hochtaunus unterwegs ist. Seit 2014 ist sie dabei und sagt, dass sich ihr Blick aufs Leben verändert habe: „Ich nehme jetzt auch Kleinigkeiten, die mir im Alltag begegnen, bewusster wahr.“ Viele Todkranke und deren Angehörige sind mit ihrem Schicksal überfordert und wissen nicht damit umzugehen.

In ihrer Tätigkeit für die Hospizgemeinschaft begleitet Heike Kirsch schwerstkranke und sterbende Menschen und deren Angehörige. Das tut sie im stationären Hospiz des Vereins in Niederreifenberg. Aber auch Besuche bei den Betroffenen zu Hause in Königstein und Umgebung gehören für die 52-Jährige dazu.

Lustige Momente

„Obwohl es doch eigentlich eine traurige Situation ist, gibt es immer wieder schöne, emotionale und sogar lustige Momente, in denen wir lachen.“ Diese Begegnungen seien immer wieder eine Bereicherung und eigentlich wissen sie nicht genau, wer hier eigentlich wem etwas gebe.

28 ehrenamtliche Hospizhelferinnen und -helfer sind bei der Hospiz zurzeit tätig. Die meisten von ihnen sind Frauen. Alle haben eine einjährige Ausbildung absolviert und in verschiedenen Unterrichtseinheiten gelernt, wie sie am besten auf ihre Patienten zugehen, mit ihnen reden, sie trösten oder einfach zusammen mit ihnen schweigen.

„Der Patient steht immer im Vordergrund. Weder bestimmen wir, was gemacht wird, noch die Angehörigen“, sagt Bettina Ruß, eine der zwei hauptamtlichen Koordinatorinnen der Organisation.

Hospizhelferin Heike Kirsch erinnert im Gespräch in der Geschäftsstelle in Königstein an einen ihrer Patienten, oder wie sie sagt, „einen ehemaligen Gast“ im Hospiz. Dessen Wunsch war es, abends mal ein Glas Wein trinken zu können. Und natürlich erfüllte sie ihm diesen Wunsch und besorgte seinen Lieblingswein. „Manchmal sind es die Kleinigkeiten im Leben, die einen Menschen glücklich machen“, so Kirsch. Außerdem habe sie die Erfahrung gemacht, dass Patienten mit einem fest verankerten Glauben besser loslassen können und schließlich ihren Frieden finden, weil sie eine Vorstellung davon haben, was auf sie zukommt.

Trauer, Wut und Verzweiflung spielen jedoch auch eine große Rolle in dem zu Ende gehenden Leben der Patienten. Damit werden auch die Hospizhelfer konfrontiert, die zwar in ihrer Ausbildung den Umgang damit lernen, jedoch auch eigene Strategien entwickeln, um die Erlebnisse zu verarbeiten. „Mir hilft es, von zu Hause in Oberreifenberg zum Hospiz hin und wieder zurück zu laufen. Die Bewegung tut mir gut, dadurch gewinne ich auch Abstand.“ Denn es komme auch vor, dass sich eine ganz persönliche oder freundschaftliche Beziehung zu den Patienten entwickelt. „Ein Mal habe ich mir gedacht, schade, dass man sich erst am Lebensende kennengelernt hat“, erinnert sich Kirsch.

Acht Patienten stationär

Der Einzugsbereich des Vereins „Hospizgemeinschaft Arche Noah Hochtaunus“, den es seit dem Jahr 2000 gibt, erstreckt sich für den ambulanten Dienst von Königstein über Glashütten bis nach Schmitten. Im Hospiz in Niederreifenberg, das es seit 2003 gibt, können bis zu acht Patienten stationär aufgenommen werden. Insgesamt sind dort zehn Krankenschwestern und zwei Krankenpfleger beschäftigt, die alle eine Zusatzausbildung in Palliative Care (Palliativpflege) haben.

Kern der Hospizidee ist es, sterbende Menschen auf ihrem letzten Weg zu begleiten und sie mit ihren Schmerzen, Ängsten und ihren Bedürfnissen nicht allein zu lassen. Zur Philosophie gehört es dabei auch, sorgfältig zu schauen, dass die Hospizhelfer und die Patienten zueinander passen. „Gerade in dieser besonderen Situation muss die Chemie einfach stimmen“, weiß Heike Kirsch.

Fühlt sich eine Seite, Angehörige, Patient oder Hospizbegleiter, mit der Auswahl nicht wohl, wird über die Königsteiner Geschäftsstelle eine Alternative organisiert. Wichtig sei, sagt Koordinatorin Bettina Ruß, „dass es uns gelingt, die letzte Lebenszeit so lebenswert wie möglich zu machen.“

 

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Quelle: www.taunus-zeitung.de