Offener Trauerkreis: Gemeinsam mit anderen ins Gespräch kommen



Heike Kirsch (v. li.), Bettina Ruß und Diana Milke freuen sich über rege Teilnahme am nächsten Offenen Trauerkreis, den die Hospizgemeinschaft Arche Noah als offenes Angebot an alle Trauernde richtet. Foto: Schemuth

Königstein (el) – Jeder geht damit anders um. Es gibt kein Richtig und kein Falsch. Die Rede ist von der Trauer nach dem Verlust eines geliebten Menschen. Gut zu wissen, dass man als Betroffener neben Familie und Freunden auch von einem Angebot der Hospizgemeinschaft „Arche Noah“ aufgefangen wird. Mit der Teilnahme am „Offenen Trauerkreis“, der seit einiger Zeit in den Geschäftsräumen in der Herzog-Adolph-Straße 2 stattfindet, sind nicht nur Antworten auf Fragen wie „Wer hört mir zu?“ verbunden, sondern dahinter steht immer auch ein Austausch mit anderen Betroffenen. Das Ganze ist unverbindlich und kostenlos und wird von der ausgebildeten Trauerbegleiterin Heike Kirsch geleitet. Der Kreis findet jeweils an jedem vierten Dienstag im Monat statt und zwar das nächste Mal am 23. Mai um 18.30 Uhr. „Man geht keine Verpflichtung ein und die Teilnahme ist ganz unabhängig vom Zeitpunkt des geliebten Menschens“, betont Heike Kirsch, die selbst einen persönlichen Bezug zur Trauerbegleitung hat, die sie jetzt für andere leistet.

Als ihre eigene Mutter vor einigen Jahren im Hospiz Arche Noah verstorben ist und sie als Angehörige erleben durfte, wie behütet sie in der Zeit vor ihrem Tod war, empfand sie tiefe Dankbarkeit für die Arbeit, die hier geleistet wurde. Erst einige Zeit später kam Heike Kirsch auf den Gedanken, selbst Trauerbegleiterin zu werden.

„Das machen zu wollen und das auch machen zu können, sind immerhin zwei paar Schuhe“, sagt sie pragmatisch. Dennoch ließ sie die Vorstellung, auf diese Weise helfen zu wollen, nicht los.

Also absolvierte sie eine knapp ein Jahr lange Ausbildung, die auch ein 40-stündiges Praktikum beinhaltete und ließ sich von der Hospizgemeinschaft, die das stationäre Hospiz in der Brunhildestraße in Schmitten betreibt, ausbilden. Auch Diana Milke, die zusammen mit Bettina Ruß für die Koordination der ambulanten Hospiz- und Palliativberatung verantwortlich zeichnet, weiß um den Spagat, den die Ehrenamtlichen jeden Tag hinbekommen müssen: „Mitfühlen, aber nicht mitleiden“, lautet die Maxime, ohne die es ansonsten schwer fallen würde, den nötigen Abstand zu gewinnen, um wirklich helfen zu können.

Während in Königstein der Offene Trauerkreis als Angebot existiert, gibt es an einem anderen Standort, in Neu-Anspach, ein Pendant, das sich „Trauercafé“ nennt. Hier trifft man sich jeden ersten Dienstag im Monat um 17 Uhr im katholischen Gemeindehaus St. Marien, Hans-Böckler-Straße 1.

Die Teilnahme am Trauerkreis sei jedoch kein Ersatz für eine Psychotherapie, sollte der Fall eintreten, dass jemand überhaupt nicht mit der Trauer fertig wird. Ansonsten gibt es keine Faustregel, wann eine Phase des Trauerns abgeschlossen ist. Da müsse ein jeder in sich reinhören und das für sich entscheiden, sind sich die Fachfrauen einig, denen es zunächst wichtig ist zu vermitteln, dass das Hilfsangebot besteht. Vor der Teilnahme am ersten Trauerkreis besteht auch die Möglichkeit eines Einzelgesprächs, um eventuelle Hemmschwellen abzubauen. Auch sollen die Betroffenen wissen, dass sich mit der Übernahme des Trauerkreises durch Heike Kirsch, der Nachfolgerin von Lucia Kehr, nichts an der Durchführung des Trauerkreises ändern wird. Es bleibt alles beim Alten.

Ihre Aufgabe sei es, den Kreis zu moderieren. Vieles ergebe sich auch aus der Situation heraus, sagt Heike Kirsch, die mitunter nach der ersten Begrüßung auch versucht, Impulse zu setzen, aus denen sich dann ein Gespräch entwickelt. Kirsch: „Jeder hat die Chance etwas zu sagen, muss das aber nicht tun.“ Vielleicht hört man einfach nur zu und nimmt dann auch was mit. „Wichtig ist oftmals auch nur festzustellen, dass es Menschen gibt, denen es ähnlich geht“, weiß Bettina Ruß zu berichten. Es gehe auch darum, Gefühle zuzulassen.

Während es früher ein Trauerjahr gegeben hat, ist so etwas heute eher in Vergessenheit geraten. Mit diesem Brauch sei auch etwas Gutes verbunden, so Ruß, denn er stellte ein Signal an andere dar, dass man gerade eine traurige Zeit durchmache. Einer der Ansätze des Offenen Trauerkreises ist es, auf jeden, und seine Art mit dem Verlust umzugehen, individuell eingehen zu können, so Diana Milke, die sich über rege Teilnahme am nächsten Termin am 23. Mai um 18.30 Uhr freuen würde. Weitere Informationen zum Offenen Trauerkreis sind unter Telefon 06174/6396692 bei Diana Milke erhältlich.

 

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Quelle: www.taunus-zeitung.de