Den letzten Weg begleiten

 Niederreifenberg

Noch ist alles neu für Cornelia Ott. Seit sieben Tagen hat sie die Heim- und Pflegedienstleitung des Hospizes
«Arche Noah» inne. Siebe Tage, in denen viele neue Eindrücke und Einblicke auf sie warteten. Erfahrungen in diesem Bereich hat die 44-Jährige als Pflegedienstleiterin eines Altenzentrums in Hochheim sammeln können, doch die Arche Noah ist für sie eine neue Herausforderung.

Schon als junges Mädchen wusste Cornelia Ott, dass sie Krankenschwester werden wollte. «Ich komme aus einem christlichen Elternhaus, in dem die Hilfe für bedürftige Menschen eine große Rolle spielte», erklärt die Leiterin ihre Entscheidung für den Beruf. Als sie heiratete und Kinder bekam, setzte sie mit ihrer «Berufung» aus, jedoch nie ganz. «Ich habe mich immer weitergebildet, weil ich irgendwann wieder zurück in den Beruf wollte.» Dabei lag ihr schon bei ihrer Arbeit als Krankenschwester immer die Betreuung von Langzeitpatienten am Herzen. Und so wand sich Cornelia Ott der Hospizarbeit zu. Als ihr die Stelle in Niederreifenberg angeboten wurde, berief sie den Familienrat ein. «Meine Kinder waren beeindruckt, dass ihre Mutter noch mal richtig loslegt, und mein Mann unterstützt mich, wo er kann», freut sie sich über so viel Rückhalt.

Die Kraft für ihre anstrengende Arbeit holt sie aus ihrem Glauben, denn die tägliche Belastung mit dem Thema Tod geht auch an ihr nicht spurlos vorbei. «Ich tausche mich mit meinem Mann aus und finde Halt im Zwiegespräch mit meinem Gott im Gottesdienst.» Diese Kraft, die sie dort tankt, möchte sie auch an ihre Mitarbeiter weitergeben, «denn schließlich ist es für sie jeden Tag eine neue Herausforderung, und auch sie müssen damit umgehen können», weiß Cornelia Ott. Besonders schwierig sei es, wenn junge Menschen oder Familienväter ins Hospiz zum Sterben kämen. «Jeder Mensch ist bei uns gleich. Es bereitet nur im Kopf Probleme, zu sehen, dass ein Mensch, der sein Leben eigentlich noch vor sich hat, gehen muss», versucht sie das Unaussprechliche in Worte zu fassen. Wichtig sei in diesem Zusammenhang auch die Betreuung der Angehörigen und die Aufklärung über den Ort Hospiz. «Hier kommen todkranke Menschen her, die keine lebenserhaltenden Maßnahmen wollen, sondern nur noch in Ruhe und Frieden sterben möchten.» Manche hätten eine endlose Odyssee durch verschiedenste Krankenhäuser hinter sich, bevor sie in der Arche Noah den Ort finden, den sie zum würdevollen Sterben suchen. Und auch den Angehörigen wird der Weg des Abschiednehmens dadurch erleichtert. «Wir sind ein offenes Haus. Die Angehörigen können Tag und Nacht hier vorbei kommen», so Cornelia Ott.

Um einen Ort zu schaffen, an dem das Sterben in Würde erfolgen kann, richten Cornelia Ott und ihre Mitarbeiter ihre Arbeit ganz nach den Bedürfnissen der Kranken aus.

Da diese Arbeit dem Team viel abverlangt, legt die neue Leiterin viel Wert darauf, auf die Bedürfnisse und Empfindungen der Mitarbeiter einzugehen. In Gesprächsrunden unter professioneller Anleitung können so Probleme angesprochen und geklärt sowie anstehende Aufgaben geplant werden. Und auch Rituale helfen, den Alltag zu bewältigen: Im Abschiedsgottesdienst können die Mitarbeiter aller Verstorbenen gedenken. Und im Haus selbst erinnert eine brennende Kerze im Fenster daran, dass ein Mensch gestorben ist.

Wer das Hospiz unterstützen möchte, kann auf das Konto 270 052 053, Bankleitzahl 51 050 000 bei der Nassauischen Sparkasse eine Spende überweisen

 



Quelle: Taunus-Zeitung vom 12.01.2005, (Judith Martin)