Was zählt, ist der Wille des Sterbenden
Usinger Land.

Vor dem Moment, in dem das Leben zu Ende geht, graut es wohl jedem. Schlimm ist vor allem die Vorstellung, im Krankenhaus sterben zu müssen und nicht zu Hause in vertrauter Umgebung für immer einschlafen zu dürfen.
«Doch immer noch sterben 90 Prozent der Menschen in einem Krankenhaus oder Heim», sagt der Usinger Lothar Graf. Er und seine Mitstreiter vom «Initiativkreis Hospiz Usinger Land» haben sich zum Ziel gesetzt, das Sterben daheim zu fördern – «mit unseren bescheidenen Möglichkeiten», wie Graf sagt.

Vor einem Jahr angetreten als christlich motivierter Initiativkreis – Graf: «Wir haben uns für den Namen Initiativkreis entschieden, weil wir einen Anstoß geben wollen und nicht die Erwartung haben, alles selbst zu schaffen» – ist die Gruppe bereits ein großes Stück vorangekommen. Kontakte sind geknüpft, Veranstaltungen geplant und die Hoffnung besteht, dass vom kommenden Jahr ein Hospizdienst fürs Usinger Land angeboten werden kann. Genauer gesagt für Usingen, Wehrheim, Neu-Anspach, Weilrod und Grävenwiesbach. In Schmitten ist bekanntlich mit dem Hospiz «Arche Noah» ein entsprechendes Angebot vorhanden.

Die «Arche Noah» ist eine der Institutionen, mit denen der Initiativkreis in Kontakt steht, ebenso mit dem Diakonischen Werk der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau (EKHN) und dem Bad Homburger Hospiz-Dienst, einem Verein, dessen Gründungs- und Vorstandsmitglied Lothar Graf ist und dem auch viele weitere Mitstreiter des Kreises für das Usinger Land angehören.

Letzterer ist auf Initiative von Lothar Graf entstanden, der beruflich als Caritas-Geschäftsführer im Main-Kinzig-Kreis Erfahrung mit einem ambulanten Hospizdienst gemacht hatte. «Als ich dann in Rente gegangen bin, habe ich geschaut,
wie es in meiner Heimat mit dem Hospizdienst aussieht», sagt Graf. Mittlerweile gehören dem Initiativkreis mehr als 30 Frauen und Männer an, darunter neun ausgebildete Hospizhelferinnen. «Die Menschen im Initiativkreis setzen sich aus verschiedenen Gruppen zusammen, die sich gegenseitig ergänzen», sagt Christel Losch. Die Sozialpädagogin ist wie alle anderen ehrenamtlich dabei.

Eine der Hospizhelferinnen ist Annet Dörnte aus Schmitten.
Bei der Krankenhausseelsorgerin und Hospizpfarrerin Helgard Kündiger hat die gelernte Altenpflegerin Dörnte die ein Jahr dauernde Ausbildung zur Hospizhelferin absolviert. Dass Sterbebegleiter der Sache auch gewachsen sein müssen, liegt nahe. «Man geht an das Bett eines fremden Menschen», sagen die Mitglieder des Initiativkreises. In der Ausbildung hätten sie sich zuerst mit dem eigenen Tod beschäftigt, aber auch Filme über Sterbende gesehen und gelernt zu kommunizieren, erinnert sich Annet Dörnte. Auch nach Abschluss der Ausbildung haben die Sterbebegleiter stets die Gelegenheit, sich auszutauschen.

Sie und die anderen Hospizhelferinnen wollen übrigens niemanden ersetzen oder verdrängen. «Wir wollen Lücken füllen», sagt Graf, der weiß, dass Ärzte und Pflegekräfte wichtig sind, aber auf Grund finanziellen Drucks nicht immer
viel Zeit haben. Da wird der Einsatz der Hospizhelferinnen immer wichtig, die «einfach nur da sind», für den schwer Kranken beziehungsweise Sterbenden, gleich welcher Religion, und für dessen Angehörige, denen zum Beispiel Einkäufe abgenommen werden.

Den Helfern zur Seite steht eine Palliativkrankenschwester – unter Palliativmedizin versteht man schmerzlindernde Therapie für Menschen, die unheilbar krank sind –, die der Bad Homburger Hospiz-Dienst eingestellt hat. Sie soll unter anderem schauen, welcher Helfer zu welchem Patienten passt. Denn an die ehrenamtlichen Begleiter gibt es Anforderungen: «Die Helfer müssen zurückhaltend sein, dürfen sich nicht in Szene setzen. Es ist streng verboten, den Sterbenden unsere Meinung aufzudrücken. Es zählt nur das, was der Sterbende will.»

Für den heutigen Mittwoch lädt die Gruppe zu einem Vortrags- und Diskussionsabend über Patientenverfügung ein. Beginn ist um 19.30 Uhr im Bürgerhaus Neu-Anspach. Wer sich für die Arbeit des Initiativkreises interessiert, kann sich unter Telefon (0 60 81) 1 42 47 an Lothar Graf wenden.




Quelle: Taunus-Zeitung vom 16.02.2005, (Stefanie Heil)