Tag der Offenen Tür



Bei "Lobe den Herren" prasselte ein Landregen nieder. Bilder: Parusel

Fritz Günteru
Niederreifenberg.
Fast zwei Jahre ist in Niederreifenberg das Hospiz "Arche Noah" ein Ort für Schwerstkranke und Sterbende. Am Sonntag hatte das Hospizteam zu einem "Tag der offenen Tür" geladen. Etwa 120 Besucher erlebten in einem Zelt einen Gottesdienst, den die Mitarbeiter unter dem Motto "unterwegs" selbst gestalteten. "Wir sind heute morgen schon einmal geduscht worden", berichtete Cäcilia Becki, die in der Hospizgemeinschaft für die Verwaltung zuständig ist. Das Hospizteam, acht Schwestern, zwei Pfleger, zwei Altenpflegerinnen einschließlich der Abteilung Hauswirtschaft von Walburga Bös waren schon früh mit den Vorbereitungen für den "Tag der offenen Tür" beschäftigt. Der begann gegen elf Uhr im Hof der Arche Noah, wo neben einem Zelt auch einige Schirme und Stände aufgebaut waren. Der Vorsitzende der Hospizgemeinschaft, Herbert Gerlowski, und Pflegedienstleiterin Cornelia Ott hatten mit mehreren Mitarbeiterinnen einen Gottesdienst einstudiert, der etwa 120 Besucher unter dem schützenden Zeltdach vereinte. Unter ihnen die Kreistagsvorsitzende Madelaine Funke, die bei den Gemeindeliedern kräftig mitsang. Das Tagesmotto "unterwegs" bestimmte die Wortbeiträge der jungen und älteren Sprecher. Humorvoll kam der Beitrag von Schwester Susann Hecht daher, die seit drei Jahren für das Team in Niederreifenberg "unterwegs" ist und sich für ihre durchgelaufenen gelben Slipper ein zweites Paar wünschte. Auch Heimleiterin Ott bekannte: "Ich brauche für unterwegs ein paar bequeme Schuhe, in denen ich festen Halt finde". Lyrisches Talent bewies Vorstandsmitglied Christel Zeller, die ihren Weg durch ein langes Leben in Versform vortrug. "Der Weg meines Lebens war niemals vergebens". Der gemischte Chor Brombach umrahmte mit einigen Liedern musikalisch den Gottesdienst. In einer besinnlichen Ansprache erinnerte Diakon Gerlowski daran, dass "wir alle jeden Tag auf vielen Wegen unterwegs und froh sind, wenn wir unser Ziele erreicht haben". "Es gibt Wege, von denen man nicht weiß, wo sie enden, Wege, die einem Angst machen", bekannte Gerlowski und erinnerte an "Jesus als den Meister der Umleitung".
Ein Umleitungsschild schmückte die Zeltwand und auch die kleine Federzeichnung auf dem Programmzettel, dort wo ein Blitz die Auffahrt zum Kreuz auf dem Berggipfel erschwerte. "Unterwegs sind wir alle, irgendwo, irgendwie, irgendwann", gab der Diakon seinen Zuhörern zu bedenken, dessen Ehefrau und Tochter Bettina mit Freund Dominik dem Gottesdienst beiwohnten.
Beim Refrain "Lobe den Herren" prasselte ein Landregen auf Zelt und Schirme nieder. Doch als Heimleiterin Ott die zuvor ausgegebenen papierenen Schuhsohlen nebst Kugelschreiber eingesammelt hatte, auf die die Besucher ihre Wünsche für "unterwegs" formuliert hatten, wagte sich wieder ein Sonnenstrahl an dem mit Wolken bedeckten Himmel hervor.
Der anschließenden Hausbesichtigung in der Arche Noah stand nichts mehr im Wege. Das Modell der Arche, die sonst im Gemeinschaftsraum steht, hatten die Hospiz-Helferinnen zum Gottesdienst allerdings ins Festzelt getragen. Im Haus herrschte an diesem Tag treppauf, treppab von 11 bis 16 Uhr starker Publikumsverkehr. In einem der Behandlungsräume, in dem eine Liege stand, mischte Vitalberaterin Lydia Dworek-Ludwig aus Kransberg, assistiert von Ehemann Bernd Ludwig, Sesam-Öl in kleine Schälchen, das bei den von ihr verabreichten Massagen wohl Wunder wirkt. "Schreiben Sie in der Zeitung, dass unsere Hospizbewohner, jetzt auch Massagen bekommen, wenn sie es wünschen", warb
Schwester Uschi Küchmann sichtlich begeistert für die neue Dienstleistung.




Quelle: Usinger Anzeiger vom 07.06.2005, (jop)