Drei Kapitel über das ganze Leben

Altweilnau.

Stille Talente sind wie Buschröschen, sie blühen oft im Verborgenen. Dies könnte man auch über Gisela Stumm sagen. Indes: Über viele Jahre hat die in Danzig geborene Wahl-Weilroderin (seit 1980) sich mit Beiträgen in den verschiedensten Publikationen einen Namen als Autorin gemacht. Jetzt hat sie ihr neuestes Buch vorgelegt: «Unterwegs sind wir alle». Ein Buch, das sich vor allem, aber nicht nur, der Hospiz-Arbeit, dem Begleiten sterbender Menschen, widmet. «Dennoch ist mein neues Buch kein Buch vom Sterben» sagt die Autorin, «es ist kein Abschiedsbuch, sondern ein Buch, welches in drei Kapiteln das ganze Leben umfasst.»

«Unterwegs sind wir alle» ist bereits der zweite Band, in dem sich die Autorin mit diesem Thema befasst. 2003 hat die gelernte Justiz-Angestellte und Sekretärin den Mut gefunden, ihre Gedichte in eigener Verantwortung auszuwählen, in gestalterische Form zu bringen und den Band «Liebe kennt den Weg zum Garten Eden» heraus zu bringen. Erste Auszüge aus dem dieser Tage erschienenen Nachfolgeband las die Autorin auf einem «Tag der offenen Tür» des Hospiz Arche Noah in Niederreifenberg. Der Buchtitel «Unterwegs sind wir alle» wurde sogar zum Leitmotiv der Predigt im einleitenden Festgottesdienst. Es sind hier faktische Zusammenhänge, nicht Zufälle, die wirken: Gisela Stumm hat eine Zusatzfachausbildung im sozialpflegerischen Bereich absolviert, hat Kranke wie Sterbende selbst betreut und stellt ihre Lesungen, wann immer es geht, in den Dienst, Hospiz-Arbeit bekannt zu machen und für diesen so urchristlichen Dienst am Menschen zu werben.

«Unterwegs sind wir alle» ist in drei Abschnitte gegliedert, die wiederum mit «In Gedankenwelten», «Fern von Zuhaus» und «Auf besinnlichen Pfaden» überschrieben sind. «In Gedankenwelten» sind persönliche Erlebnisse im Rückblick auf das eigene Leben eingewoben. Gisela Stumm bezeichnet hier bewusst den Unterschied zwischen jüngeren und älteren Menschen in der Fähigkeit, sich erinnern zu können.

«Fern von Zuhaus» führt diese persönlichen Erinnerungen an Urlaubsorte – wie Italien und Griechenland – oder bis nach Afrika weiter, wo die in Niedersachsen Aufgewachsene neun Jahre ihres Lebens im Rahmen der Entwicklungshilfe gearbeitet hat. «Kraft schöpfen und inne halten» lässt die Autorin hier ihre Leser mit den in Versen gefassten Reiseerinnerungen. Gerade mit dem Bezug zu Afrika will sie jedoch auch die Köpfe erreichen: «20 Prozent der Menschen verbrauchen 80 Prozent aller Güter. Das bedroht den Weltfrieden .»

Im dritten Teil «Auf besinnlichen Pfaden» geht es Gisela Stumm «um die persönliche Verarbeitung mit dem Tod», aber in einer aufbauenden, den Menschen in seiner Seele nicht bedrückenden Weise: «Ich möchte Trost geben. Es sind Texte, die nicht runter reißen, sondern ich beleuchte Lebenssituationen, ich mache Hoffnung», sagt die Autorin.

Wie dies gemeint ist, zeigt das Bild auf dem Buchdeckel: Gemalt von der in Regensburg lebender Künstlerin Evita Gründler sind dort Menschen zu sehen, die wie auf einem Strahl dem Licht entgegen gehen. In jeder Hand einen Koffer, der keinen Boden mehr hat. Die alten Koffer als Symbole ihres abgelaufenen Lebens stehen nebenan auf dunklem Grund. Sie bleiben zurück. Bezug ist hier Psalm 119, Vers 19, der in der Bibel sagt: «Wir sind nur Gast auf Erden». Die mit Gisela Stumm befreundete Malerin hat es in dieses und noch viele andere Bilder gefasst, die im Buch den Gedichten, oft auf die einzelne Zeile passgenau zugefügt sind.

«Unterwegs sind wir alle» ist aber nicht das einzige Projekt von Gisela Stumm: Sie ist freie Mitarbeiterin bei der Frauen-Seite der Rhön- und Saale-Post, und ihre Gedichte sind fester Bestandteil namhafter deutscher Anthologien, etwa des Jahrbuchs für das neue Gedicht in der «Frankfurter Bibkiothek», herausgegeben von der Brentano-Gesellschaft in Frankfurt am Main. Auch der renommierte Czernik-Verlag druckt ihre Verse in «Lyrik heute – eine Auswahl neuer deutscher Lyrik» oder «Die Literareon», eine Lyrik-Bibliothek in München.

«Unterwegs sind wir alle», erschienen bei Books on Demand, 116 Seiten mit 21 Farbbildern, 12 Euro.




Quelle: Taunus-Zeitung vom 01.07.2005, Jürgen Schnegelsberg