Oktett bietet Gesang von seltener Anmut

Oberreifenberg

Die Kirche St. Georg als Ort für Musikgenuss in a cappella, wer hätte das gedacht? Weitgehend unbemerkt hat ein nicht ganz unbekannter Chor ein Probenwochenende in Oberreifenberg verbracht, der Tourismus- und Kulturverein in Person von Gerhard Heere fragte an und siehe da: Das Ensemble «Achtung Vokal» gab ein Konzert in der Kirche.

Aber: Nicht irgendein Konzert, sondern ein Benefizkonzert, was besonders Cornelia Ott von der Pflegedienstleitung des Hospizes Arche Noah erfreute. Nach dem von großem Zuspruch getragenen «Tag der offenen Tür» ging es ihr darum, die Aufmerksamkeit für das Hospiz wach zu halten. Auslastung und Finanzierung sind hier die Stichworte.

Die Zuhörer am Samstag wurden nicht enttäuscht. «Achtung Vokal» hatte sich einen Handlungsrahmen ausgedacht für seine Lieder und nannte diese «Seifenoper». Wie bei einer Mixtur aus «Gute Zeiten, schlechte Zeiten», «Marienhof» und «Lindenstraße» reihten sich Lieder aneinander, die sich um den Beginn von Beziehungen, Schmetterlinge im Bauch und schließlich das «Adieu» der Trennung drehen. Auch sprachlich ging es quer durch Europa, die Lieder erklangen in Deutsch, Englisch, Italienisch, Französisch und zum Abschluss gab es sogar ein kreolisches Wiegenlied.

Charmante Moderatorin und erste Stimme war dabei Ilham Chaoui. Geboren 1978, absolvierte sie 1998 das Abitur am Goethe-Gymnasium in Frankfurt am Main, wo sie nicht nur in zahlreichen Chören der Schule sang, sondern auch Mitbegründerin des schulinternen Chores Justus war. Bereits vier Jahre zuvor war sie in die Chorgemeinschaft «Chöre des Hessischen Rundfunks» aufgenommen worden. Seit nunmehr zwei Jahren singt Ilham Chaoui gemeinsam mit ihrer Schwester Hayat im A-cappella-Oktett «Achtung Vokal». Den männlichen Part gibt Chorleiter Thomas Wagner, der seit seinem 18. Lebensjahr Chöre leitet und selbst Mitglied bei «Cantabile Limburg» ist.

Wer sich über die Reinheit der Stimmen und die Akkuratesse des Gesangs gewundert haben sollte: Sowohl Ilham Chaoui als auch Thomas Wagner sind vom Beruf her Logopäden, trainieren somit täglich die Stimmbilder anderer Menschen. Gemeinsam mit Cornelia Geisler (Sopran, Alt), Susanne Gehbauer (Alt), Frank Krause, Volker Stoll (Tenor) sowie Wolfram Schröder (Bass) gelangen Gesangsdarbietungen von seltener Anmut. Seien es frühe Lieder aus der Romantik in Französisch, eine Adaption des Beatles-Lieds «Can’t Buy Me Love» oder ein deutscher Märchentext, wie «Es waren zwei Königskinder» – das Kirchenschiff war nur von der Reinheit dieser acht Stimmen erfüllt. Das Publikum verharrte in Staunen, bevor der Applaus immer heftiger wurde.

Für das Pausen-Intermezzo durften die Ohren der Zuhörer in Richtung Empore gespitzt werden: Christine Müller (Posaune) und ihr Bruder Klaus gaben dort Soli und spielten im Duett. Im zweiten Teil ließ die Gruppe auf die deutschen Lieder englische Texte folgen und zeigten sich dabei sowohl ironisch als auch lautmalerisch. «And So It Goes» von Billy Joel interpretiert Abschied – und was bleibt dann? Weiter ziehen. Bei «I’m A Train» von Albert Hammond konnte das Publikum den Zug wirklich zischen hören. Zwei heftig herbei geklatschte Zugaben zeigten, welchen tiefen Eindruck dieses A-cappella-Oktett in Oberreifenberg hinterlassen hat.

Quelle: Taunus-Zeitung vom 06.07.2005, Jürgen Schnegelsberg