Spende ermöglicht Kindern Schritt für Schritt ein selbstständiges Leben

Königstein

Die Mitarbeiter und die Chefs der Firma Kreiner hatten schon immer ein großes Herz. Dies zeigte sich vor allem bei bisherigen Unterstützungen von Kinder aus Tschernobyl oder der Aktion Sorgenkind. Die Tradition einer Spende für einen guten Zweck setzte die Firma auch bei den Feiern zu ihrem 100-jährigen Bestehen fort. Zusammengekommen ist dabei die stolze Summe von 12 000 Euro. «Mit solch einem Betrag haben wir nicht gerechnet. Noch heute ist die Bereitschaft sehr groß, so dass die Summe immer noch wächst», freute sich Chef Paul Kiefer.

Man entschied sich schließlich, die Spende zu teilen. Während sich die Hospizgemeinschaft «Arche Noah» in Usingen bereits für die finanzielle Unterstützung bedankt hatte, überreichten Paul und Dirk Kiefer dieser Tage einen Scheck in Höhe von 6000 Euro an den Kinderneurologen Dr. Michael Rochel.

Da die Königsteiner Praxis keine staatlichen Zuschüsse erhält, war die Freude über diese Spende groß. «Wir leben von unserem eigenen Budget. In den vergangenen Monaten war die Spendenunterstützung glücklicherweise so groß, dass wir das nächste halbe Jahr gesichert sind», berichtete Rochel. Seit vielen Jahren fordert er ein Umdenken der Regierung, denn durch regelmäßige Unterstützung der Krankenkassen würde die Solidargemeinschaft auf lange Sicht sparen. Während die finanzielle Unterstützung einer stationären Rehabilitation gesetzlich zugesichert sei, gelte dies für ambulante Therapien nicht. Dabei seien diese wesentlich effektiver, da die Kinder nicht aus ihrer vertrauten Umgebung gerissen würden.

«Zwar sind die Anfangsinvestition sehr hoch, doch durch eine Therapie würden sich diese ausrechnen», meinte Rochel. Seiner Meinung nach würde jedoch ein Regierungswechsel keine Änderungen bringen. Welch enormen Fortschritte die intensiven Therapien bringen, verdeutlichen allein die Zahlen. Bietet Rochel in diesem Jahr 22 Wochen Therapie an, werden es 2006 sogar 30 Wochen sein.

Trotz der Gebrechen der kleinen Patienten hat es sich die Kinderneurologie zur Aufgabe gemacht, den Kindern wieder auf die Beine zu helfen. «Es ist ein mühsamer Weg, aber die Kinder sind sehr ehrgeizig. Während ihrer Therapie sind sie täglich vier Stunden in unserer Praxis», berichtete Rochel. Dabei greifen der Arzt und sein Team zumeist auf Behandlungsmethoden aus Ungarn zurück, das in diesem Bereich sehr weit fortgeschritten ist. Ein Alltagsgerät, das für die Therapie umfunktioniert wurde, ist ein Stuhl mit bunten Sprossen als Lehne. «An diesen Sprossen können sich die Kinder Schritt für Schritt hochziehen. Allein durch solch einfache Hilfsmittel erzielen dann die Kinder enorme Fortschritte, die es gilt auszubauen. Darauf möchten wir aufmerksam machen», so Rochel.

Quelle: Taunus-Zeitung vom 01.08.2005, Sabine Henrichs