Kunstmarkt schafft weiteren Leuchtturm

Niederreifenberg

Mit dem ersten Kunstmarkt in der Niederreifenberger Hochtaunushalle ist Initiatorin Renate Keller und ihrem Mann Wolfgang ein großer Wurf gelungen. Rund 25 Künstler aus Schmitten und der Region präsentierten ihre vielfältigen und schönen Arbeiten an den Verkaufständen, zwischen denen die zahlreichen Besucher wandelten.

Schon am Eingang zog ein gemeinsames Bild nach der Vorlage von Kandinsky die Blicke der Besucher auf sich. Denn Organisatorin Renate Keller hatte nicht nur die erfahrenen Künstler und Kunsthandwerker mit ins Boot genommen, sondern auch die kleinen Nachwuchstalente. Diese präsentierten ihre Porträtwerke an einer eigenen Stellwand und so mancher der Besucher mag da seinen Filius leicht wiedererkannt haben. Treppen, Häuser, Säulen und fantasievolle Orte hatte Uta Teske für ihre Encaustic-Bilder als Motive gewählt. Bunte und helle Farben mischten sich auf großen Farben ineinander und führten den Blick des Betrachters durch das Bild zu sich immer neu offenbarenden kleinen Farbflächen. Eine Technik, die auch Regine Jäger beherrscht. Auf kleinformatigen Bildern zeigte sie nicht nur schöne «Zufallsprodukte», sondern auch fantasievolle Bilder.
Doch nicht nur Encaustic-Bilder hielten die Künstler zum Verkauf bereit, auch zahlreiche Werke in Acryl, Aquarell und Öl zierten die Stellwände. Ulrich Elert beispielsweise hat sich überwiegend auf die Ölmalerei konzentriert. «Ich male überwiegend nach selbst gemachten Fotografien oder Auftragsarbeiten», sagte der Künstler. Jutta Goll hingegen hatte ihren Schwerpunkt eindeutig auf die Rosen gelegt und das nicht nur beim Malen. Auch Rosengelee, Sirup und Rosenzucker, die sie hübsch verpackt anbot, gab es bei der Weilroderin zu kaufen. Ihre Gemälde wie «Die Welle» oder «Der Granatapfel» haben es bereits auf die Titelseite der Weilroder Gazette geschafft.

Auf «Fishing For Compliments» musste Frank Siegbert Felgenhauer wahrlich nicht gehen. Denn die Marmorfische, die der Künstler ausstellte, waren ein Blickfang für sich. Für seine Arbeiten habe Felgenhauer den gleichen Marmor verwendet wie seinerzeit Michelangelo Buonarotti für seinen weltberühmten «David», erklärte der Bildhauer den Gästen.

Eine ganz andere Art von Kunst präsentierte Andrea Delles, die von ihrer Airbrushtechnik eine kleine Kostprobe am lebenden Objekt gab. Für einen Euro konnten sich die Besucher Vier-Tage-Tattoos sprühen lassen. «Ich will eine Katze», sagte die siebenjährige Nicole. Ihre beste Freundin Carmen hatte sich hingegen einen Drachen ausgesucht, den Delles mittels Schablone aufsprühte.

Neben Serviettentechnik, Holzkunstwerken, Grafiken und Glücksbringern sowie Schmuck und bemalten Steinen, gab es auch Praktisches bei Ulrike Dreetz. Sie hatte Waschlappen, Topflappen, Kissen und Decken mit Meeresfrüchten genäht. Dazu noch Stirnbänder mit wilden Tieren. Albrecht Dommes hatte es eines der genähten Nilpferdchen angetan, das schnell seinen Besitzer wechselte.

Wer sich eine kleine Verschnaufpause von so viel Kunst gönnen wollte, der nutzte die Gelegenheit bei Kaffee und Kuchen den Blick über die Werke schweifen zu lassen. Auch Bürgermeister Marcus Kinkel (FWG) und Landrat Jürgen Banzer (CDU) hatten sich zur Vernissage eingefunden um ihren besonderen Dank persönlich an Renate Keller zu überbringen. «Über Kulturelles kann man Identität schaffen», sagte Banzer und betonte, dass es oftmals Neubürger seien, die ihrer Liebe zum Taunus in Form von Kunst Ausdruck verliehen. «Mit Sicherheit ist eine solche Ausstellung nicht nur die Darstellung der Kunst, sondern auch Ausdruck der eigenen Persönlichkeit. Machen Sie weiter so», ermutigte der Landrat die versammelten Künstler. Im Vergleich zu den großen Städten könne der Hochtaunuskreis schon ein bisschen stolz auf sich sein, denn gemessen an dem kulturellen Angebot und der Einwohnerzahl habe der Kreis doch einiges zu bieten. Mit dem Kunstmarkt sei ein weiterer Leuchtturm geschaffen worden, der für Künstler eine besondere Chance der positiven Darstellung biete. Auch Bürgermeister Marcus Kinkel lobte das große Engagement von Renate Keller. Besonders überrascht sei er von den vielen Künstlern, von denen man bisher doch eher als eine «Underground-Bewegung» gehört habe, die sich nun aber in einer wunderbaren Art und Weise präsentieren würden. Umso schöner sei es zudem, dass der Erlös aus dem Kuchenverkauf Schmittens Hospiz Arche Noah zu Gute kommt, was für die Verbundenheit zu der Gemeinde spreche.

Quelle: Taunus-Zeitung vom 27.09.2005, Tatjana Seibt