"Liebe ist nicht zu erklären, sie hat so viele Facetten"
Jonas Löffler und Gisela Stumm bei einem lyrischen Abend

Usingen

"Liebe kann man nicht mit einem Wort erklären. Sie hat verschiedene Facetten", so bereitete Gisela Stumm ihre Zuhörer auf das Kommende vor. In ihren Gedichten und lyrischen Betrachtungen ließ sie einzelne Reflexionen über das Thema Liebe wie Schlaglichter aufblitzen. Und das Publikum im vollbesetzten Usinger Restaurant "WeinGeist" lauschte gebannt in atemloser Stille.

Damit das gesprochene, vorgelesene Wort die Zuhörer nicht mit Gedankenbildern überflutete, ließ zwischen den einzelnen Abschnitten Jonas Löffler seine Finger über die Gitarrensaiten tanzen. Der siebzehnjährige, dreimalige Bundespreisträger bei "Jugend musiziert" hatte Solostücke von John Dowland, Fran´cois Couperin und Dilermando Reis ausgewählt. Ob elegante Renaissance- und Barockkompositionen oder melancholische bis feurige südamerikanische Klänge, Löffler ging in der Musik auf.
Es war bereits das dritte Mal, dass er die Lesungen von Stumm begleitete. Diese, stehend oder auf dem roten Sofa sitzend, las aus ihren Büchern "Unterwegs sind wir alle", "Liebe kennt den Weg zum Garten Eden" sowie noch unveröffentlichte Texte vor. Unter dem Titel "In der Rosenkammer meines Herzens" hatte die Altweilnauer Autorin zu verschiedenen Aspekten der Liebe Gedichte ausgewählt. "Die Liebe, die ich meine, beschreibt die Erweiterung zwischenmenschlicher Beziehungen", erläuterte Stumm ihre Sichtweise des Themas. "Wer mich kennt, kann sich denken, dass ich keine klassischen Liebesgedichte vortrage".

Und so ließen sich die Zuhörer auf eine Reise ein, die sie in die Gedankenwelten unterschiedlicher Personen entführte. Denn Stumms Texte beziehen sich auf authentische Personen oder auf deren Werke, aber sie sind meist so formuliert, dass sich andere ebenfalls darin wieder finden können. Platonische und geheimnisvolle Liebe, zerbrochene und globale Liebe, Neugeburt und Liebe im Alter, von all diesen Aspekten des einen, allgegenwärtigen Themas wusste die Dichterin in ihrer einfühlsamen, bildreichen Sprache voller Metaphern zu berichten. "Die Perle, in aller Stille wächst sie heran, verborgen ist so meine Liebe für dich."

Auch solche eher klassische Gedichte rundeten den Leitgedanken ab. "Erfüllst du mich mit Leben, schenk ich die meine Treue", diese Hommage an Zottel, den Stoffbären, oder die Liebeserklärung an das erste Auto, das einem eine neue Freiheit schenkt, ließen bei den Zuhörern eigene Erinnerungen wach werden, genauso wie der Wunsch einer viel beschäftigten Mutter oder eine Szene aus einem Park.

In Gedenken an die vielen Katastrophenopfer in Südasien ergänzte Stumm ihr Programm mit einem aktuellen Gedicht und bat damit um Spenden für die Welthungerhilfe. Über den Inhalt des Zylinders, den Maria Seng, Inhaberin des WeinGeists an diesem Abend herumgehen ließ, freute sich Herbert Gerlowski, Vorsitzender der Hospizgemeinschaft "Arche Noah", Niederreifenberg, denn stolze 200 Euro kamen zusammen.

Zum Abschluss machte Seng allerdings eine weniger erfreuliche Mitteilung, denn dieses sei die letzte Veranstaltung im WeinGeist gewesen, da das Restaurant leider schließe.



Quelle: Usinger Anzeiger vom 02.11.2005, (sn)