Ein Trauercafé fürs Usinger Land

Trauern dauert oft länger als ein Jahr. Ein Trauercafé des Hospizvereins Arche Noah und der katholischen Kirchengemeinde in Neu-Anspach will helfen, Verluste zu verarbeiten und setzt dabei auf den Erfahrungsaustausch in der Gruppe. Das neue Café öffnet am Dienstag, 2. Februar, seine Pforten und steht von da an allen Menschen im Usinger Land offen. 

 

Paul Lawatsch (Kath. Kirchengemeinde Anspach)

Herbert Gerlowski (Vorsitzender Hospizgemeinschaft)

Diana Milke (Koordiantorin) und

Tatjana Keller (Trauerbegleiterin)


Trauern gehört zum Leben und ist eine ganz spezielle Form des Unglücklichseins. Der Schmerz ist nicht körperlicher Natur, sondern trifft den Menschen in seinem Innersten, dort, wo die Liebe zum Partner, der Familie, den engsten Freunden, Vertrauten oder sogar zum tierischen Gefährten und Wegbegleiter angesiedelt ist.

Schlägt das Schicksal hier eine Lücke, verliert das Leben oft seinen Glanz, der nur langsam wieder zurückkehrt. Vom Trauerjahr spricht der Volksmund, doch nicht immer haben Hinterbliebene nach einem Jahr wieder genug Halt, um unbeschwert durchs Leben zu gehen.

Um Menschen den Weg zurück zu erleichtern und bei der Verarbeitung zu helfen, gibt es jetzt mit dem „Trauercafé“ im katholischen Gemeindezentrum St. Marien ein neues Angebot. Die Anbieter sind der Hospizverein Arche Noah und die katholische Kirchengemeinde Franziskus und Klara, die für das Café die Räumlichkeiten, das Gemeindezentrum in der Hans-Böckler-Straße 1-3, zur Verfügung stellt. Das Projekt startet am 2. Februar um 17 Uhr.

Von der Bereitstellung der Räume und der administrativen Mitverantwortung abgesehen, ist das Trauercafé aber keineswegs konfessionell gebunden und steht allen Trauernden offen. „Der Trauerkreis in Königstein ist gut besucht“, sagte Herbert Gerlowski, Vorsitzender des Hospizvereins, der damit auf reichlich Erfahrungen zurückgreifen kann. Auch dieser Kreis ist eine Angebot des Hospizvereins der sowohl Träger des ambulanten Hospizdienstes als auch des stationären Hospizes in Niederreifenberg ist. Dort werden mit den Sterbenden auch die Angehörigen in ihren schweren Tagen betreut, aber für die Zeit danach stand bisher keine geregelte seelsorgerische Betreuung mit festen Terminen zur Verfügung. Auch die Wahrnehmung der Seelsorge durch Pfarrer bedurfte einer Ergänzung, die auch die Vorteile der Gruppenarbeit nutzen kann.

„Durch die Gruppe kann der Einzelne zusätzlich Stabilität erhalten“, sagte Pfarrer Paul Lawatsch.

Trauern habe in der modernen Gesellschaft heute kaum noch Platz, sagte er weiter, dafür öffne das Trauercafé nun einen Raum. „Manche kommen über sechs Jahre“, sagte Diana Milke, Koordinatorin des ambulanten Hospizdienstes mit Blick auf den Trauerkreis Königstein und Ansprechpartnerin für das Trauercafé in Neu-Anspach. Die schon länger dabei seien, könnten den anderen Mut machen.

Eine gute Mischung

Neu-Anspach sei eine gute Standortwahl, weil es hier eine „zusammengewürfelte“ Mischung aus Alt- und Neubürgern gebe und der beschränkte Rahmen einer dörflichen Gemeinschaft mit seinen Vor- und Nachteilen nicht bestehe, urteilte Pfarrer Lawatsch. Auf einem kleinen Ort seien zwar oft Verwandte und Nachbarn da, aber viele wollten mit ihren eigenen Nöten diese nicht über Gebühr beanspruchen, oder fühlten sich doch allein.

Im Trauercafé treffen sich aber nicht nur Menschen in vergleichbarer Situation, sondern sie treffen dort auch auf Tatjana Keller. Keller hat eine Familie mit Kindern, hat sich bereits als ehrenamtliche Hospizbegleiterin engagiert und zusätzlich zur Trauerbegleiterin fortgebildet. Sie wird das Trauercafé moderieren, bei Bedarf Gespräche initiieren und hat ein geschultes Ohr für Gäste. Für die entstehen keine Kosten. Die trägt der Hospizverein und die Initiatoren weisen ausdrücklich darauf hin, dass das Café allen aus dem Usinger Land offensteht, die mit Verlustproblemen zu kämpfen haben.

Wer sich vorab über das neue Trauercafé informieren möchte, kann Diana Milke, Koordinatorin des ambulanten Hospizdienstes, kontaktieren unter der Telefonnummer: (0 61 74) 6 39 66 92. Mobil ist Diana Milke unter folgender Nummer erreichbar: (0172) 676 88 88.

Weitere Informationen im Internet gibt es unter: www.franziskus-klara.de und über das Königsteiner Angebot unter: www.hospizgemeinschaft-arche-noah.de.

 

Den Original-Artikel finden Sie unter:
http://www.tz-usingen.de/lokales/hochtaunus/usinger-land/Ein-Trauercafe-fuers-Usinger-Land;art48706,1800893



Quelle: www.taunus-zeitung.de, Text und Foto: Frank Saltenberger