Wie Musik Sterbenden helfen kann

HOSPIZ Heike Kraemer besucht regelmäßig die Einrichtung Arche Noah in Niedereifenberg / Spende des Chors „Da Capo“ Wernborn

Andrea Fleischer (links) vom Da Capo-Chor Wernborn überreicht die 550 Euro Spende an den stellvertretenden Pflegedienstleiter Detlef Wecke vom Hospiz Arche Noah zugunsten der Musiktherapeutin Heike Kraemer.

Musik kann anregen und beruhigen, wirkt auf Blutdruck und Atmung. Besonders jedoch hilft sie den Gästen im Hospiz Arche Noah in Schmitten-Niederreifenberg. Jeden Dienstagnachmittag besucht die Musiktherapeutin Heike Kraemer die Einrichtung und geht nach einem kurzen Gespräch mit den Kollegen von Zimmer zu Zimmer. „Manchmal werde ich abgelehnt, oft mache ich gemeinsam mit Angehörigen Musik“, erzählt Kraemer, die seit der Eröffnung des Hauses 2001 mit ausgewähltem Liedgut den Patienten hilft, unter anderem einen sanften Übergang vom Leben in den Tod zu finden.

So kam es vor, dass ihre Melodien aus Gesang, Gitarre oder Streichinstrumenten so entspannend wirkten, dass die Gäste zufrieden und friedlich die Augen schlossen. In der Regel jedoch leben die Hospizgäste noch mal richtig auf, vor allem wenn die studierte Musiktherapeutin ihre Trommeln auspackt. „Santa Maria von Roland Kaiser war meine letzte Herausforderung“, schmunzelt Kraemer, die den Wunsch gerne umsetzte.

Damit die Musiktherapie weiterhin ermöglicht werden kann, überreichte Andrea Fleischer vom „Da Capo“ Chor in Wernborn, der zum Gesangverein Frohsinn 1873 gehört, eine Spende von 550 Euro. Erwirtschaftet wurde das Geld von den Besuchern des Weihnachtskonzerts in der katholischen Kirche in Wernborn. „So viel Geld hatten wir noch nie“, freute sich Andrea Fleischer und vermutete den Grund darin, dass der Chor mit einem Aufruf erklärte, wem die Spende hilft. Die enorme Spendenfreudigkeit freute vor allem Sigrun Lotz, die im Chor mitsang und im Hospiz als Verwaltungsmitarbeiterin arbeitet.

Bei einer durchschnittlichen Liegezeit von nur 14 Tagen helfe die Musik unglaublich, teilte der stellvertretende Pflegedienstleiter Detlef Wecke mit, der auch selbst gerne mal zur Gitarre greift, die erst vor Kurzem vom Hospiz angeschafft wurde. „Manchmal haben wir Gäste, die leider nur eine halbe Stunde bei uns sind“, sagte Wecke, der mit einem Biografiebogen versucht, die Vorlieben der Gäste, was Musik oder auch Duftrichtungen angeht, zu erforschen. Denn fatal wäre es, Rock anstatt Mozart zu spielen. Um manchmal überhaupt noch einen Zugang zu den Gästen zu erfahren, würden geeignete Melodien (sogenannte Fährlieder) und Düfte den Hospizmitarbeitern sehr helfen. „Auf Wunsch reichen wir auch eine Flasche Bier oder verstehen, dass die Leute nicht mehr essen wollen“, sagte Wecke, was seiner Ansicht nach die wenigsten Menschen, vor allem Angehörige, verstehen würden. „Sie verhungern nicht“, betonte der Pflegedienstleiter, „jeder hat hier die Freiheit, selbst über sich bestimmen zu dürfen.“ Dazu gehören auch Musikwünsche, die von schönsten Melodien getragen, für eine letzte schöne Zeit sorgen. Hospiz-Geschäftsführerin Heidelore Wehner dankte den Weihnachtskonzertbesuchern in Wernborn und nicht zuletzt natürlich Andrea Fleischer und Sigrun Lotz herzlich.



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Quelle: www.usinger-anzeiger.de, Text: (mg), Foto: Götz