Gesänge aus dem prallen Leben

Beim Benefizkonzert für die Hospizgemeinschaft Arche Noah sang Ernst-Georg Heß Opernarien, die aus dem prallen Leben erzählen. Hanno Lotz begleitete ihn am Klavier.

Pfingstliche Stimmung liegt überm Publikum, das sich zahlreich am Samstagabend in der Aula der St. Angela-Schule versammelt hat. Das Kruzifix an der Seitenwand verbreitet die Hoffnung des Glaubens. Der Konzertpianist Hanno Lotz greift in die Tasten, und Mozarts Arie aus der Zauberflöte erklingt: „In diesen heil’gen Hallen, wo Mensch den Menschen liebt“. Der Bassbariton Ernst-Georg Heß kündet mit sattem und reifem Timbre davon, dass der Mensch hier an Freundes Hand wandele, vergnügt und froh ins bess’re Land. Zeilen wie gemacht für das Ansinnen der Hospizgemeinschaft Arche Noah Hochtaunus, die in Niederreifenberg Schwerstkranken eine liebevolle Heimstatt bietet. Fachkräfte und ehrenamtliche Hospizhelfer kümmern sich um Menschen auf dem letzten Lebensweg, wie der Vorsitzende Herbert Gerlowski sagt. Der ambulante Dienst stärke die Kranken und ihre Familien.

Szenische Aufführung

Heß und sein einfühlsamer Begleiter am Klavier, Hanno Lotz, sind Mitstreiter in der guten Sache. Für das Benefizkonzert haben sie ein abwechslungsreiches Programm gewählt, das mit fünf Mozartarien anhebt. Etwa Osmin in der „Entführung aus dem Serail“: „Solche hergelaufne Laffen, die nur nach den Weibern gaffen, mag ich vor den Teufel nicht.“

Schnell zeigt sich, dass hinter Ernst-Georg Heß ein Bühnenmensch steckt. Der Abend wird dank seiner darstellerischen Gabe zur szenischen Aufführung. Drama, Liebe, Wahnsinn, Spott für die Gesellschaft, etwa in der Arie des Leporello aus Don Giovanni. Der Bassbariton, von der Wiener Opernsängerin Elfriede Ameri ausgebildet, verfügt über ein breites Repertoire. Hanno Lotz, Absolvent der Musikhochschule Frankfurt, lässt den Flügel als versierter Begleiter glänzen. Hoch geht es her in Varlaams Lied aus Mussorgskys „Boris Godunow“: „Hört, was in Kazan geschehen“.

Die Begeisterung des Publikums lässt nicht auf sich warten: „Wie er heute wieder singt!“ Es folgen Arien etwa von Rossini, Lortzing, Verdi und Bizet und – nach innigem Applaus – „Oh, du mein holder Abendstern“ aus Tannhäuser: „Wenn sie entschwebt dem Tal der Erden, ein sel’ger Engel dort zu werden.“ Gerlowski erdet das Publikum mit einem Blick in die Hospizarbeit: „Ein gemeinsam gesungenes Lied, ein Witz, eine Zigarette. Wir erfüllen die Wünsche unserer Gäste.“

Insgesamt kommen an diesem Abend 1075 Euro zusammen, die einen Teil der monatlichen Kosten für stationäre wie ambulante Hospizarbeit decken werden.
(mad)


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Quelle: www.taunus-zeitung.de, Text: (mad)