Vergnügt und froh ins bess’re Land – Benefizkonzert der Arche Noah

Bester Stimmung: Bassbariton Ernst-Georg Heß (rechts) am Piano begleitet von Hanno Lotz.

Bester Laune stimmen der Bassbariton Ernst-Georg Heß, begleitet von Hanno Lotz am Klavier, das Benefizkonzert an mit der wunderbaren Weise aus der Zauberflöte. „In diesen heil’gen Hallen“ – das passte ganz gut zur lichtdurchfluteten feierlichen Aula der St. Angela-Schule, deren Direktor Stephan Zalud den Saal kostenlos zur Verfügung gestellt hatte. „...Wo Mensch den Menschen liebt, weil man dem Freund vergibt“, so geht der Text weiter und führt zu einiger Ergriffenheit. Es ist nicht nur Heß’ Stimme, die das Publikum begeistert, sondern auch seine Schauspielkunst, gepaart mit viel Komik. Immer wieder bindet er einzelne Zuschauer durch Blickkontakt in sein Spiel ein. Hanno Lotz beherrscht die Kunst des Liedbegleiters perfekt. Er spielt sich nie in den Vordergrund, obwohl die Musik von Mozart, Verdi oder Mussorgsky durchaus dazu verführen könnte. Das Repertoire ist vielseitig und sehr stimmungsvoll – mit Mozart geht es sogar in den Orient „beim Barte des Propheten – nimm dich in Acht!“ und dann gleich ins Haus des Grafen Almaviva, wo sich allerlei Wirrungen zusammenbrauen. Heß singt neben den deutschen Mozartarien auch die italienischen in perfekter Aussprache. Seine Sanges- und Spielfreude ist ansteckend und so amüsiert es jeden, wenn er die Augen rollt und trotz seiner 75 Jahre leichtfüßig tänzelt zu „Se vuol balare, Signor contino...“ Bravo-Rufe gelten seinem Leporello, der in der Registerarie von den Verführungskünsten Don Giovannis berichtet. Sehr wählerisch schien der legendäre Frauenversteher nicht zu sein: In Spanien sind es 1003, (in Deutschland nur 231!), darunter Bäuerinnen, Baronessen, Prinzessinnen, Blonde, Braune, Alte und Junge...

Mit der Arie des Brogni („Die Jüdin“ von Jaques Halevy) wird es ernst, wo es um das Verzeihen als Christenpflicht geht. Vom Französischen wechselt er problemlos ins Russische mit Mussorgskys Boris Godunov: Er entschuldigt sich, dass er den Text vom Blatt ablesen muss, aber schmettert das Trinkgelage temperamentvoll in den Saal. Lotz hält dagegen, immer untermalt er die Arien mit einer mitreißenden Musikalität, mit tänzerischer Leichtigkeit, mit düsterer Schwere ebenso wie mit einem atemberaubenden Crescendo bei Rossinis Arie des Basilio, einem Paradestück des Belcanto, die Heß der Lautmalerei wegen auch lieber auf Deutsch singt. Hanno Lotz erzeugt eine Stimmung, die beschwingt und amüsiert unter die Haut geht und herrlich klingt.

Heß brilliert zum Abschluss als Toreador „en garde“ – dem Opernhit schlechthin – und das Publikum will ihn nicht gehen lassen.

Das Lied an den Abendstern von Richard Wagner ist ein bezaubernder Abschluss – die untergehende Sonne erleuchtet die Aula und so geht ein besonderer Abend zu Ende, der zu Gunsten der Arche Noah stattfand, einer Hospizgemeinschaft, die Menschen auf dem letzten Lebensweg begleitet. Der Vorsitzende und Diakon, Herbert Gerlowski, erzählt von der erfüllenden Aufgabe, sterbenden Menschen beizustehen. Eine Geschichte hat ihn besonders bewegt: Er besuchte einen Familienvater im Hospiz, der sich eine Zigarette und einen Witz von ihm wünschte. Danach schlief er friedlich im Kreise seiner Familie ein. Gerlowski erklärte, dass es im Hospiz darum gehe, Wünsche zu erfüllen. „Dafür sind wir da!“.



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Quelle: www.taunus-nachrichten.de, Text: (aks), Foto: Sura