Auf dem Gipfel getroffen

WELTBILDER (VI) von Aurelia Spendel OP
 

030905


Warum schauen die nur alle so? Ein kleiner, weiß gekleideter Mann vor einem großen, weißen Berg. Die Spitze der katholischen Kirche und die Spitze eines Bergmassivs. Fels heißt der eine, Fels ist der andere. Was ist daran so
besonders? Was ist hinter diesem Bild zu sehen?

Immer wieder schiebt sich ein anderes Bild vor meine Augen. Ein Bild, auf dem die wichtige Gestalt nicht auf der linken, sondern auf der rechten Seite zu sehen ist. Ein Bild, auf dem nicht viele Menschen einem Einzigen gegenüberstehen, sondern wo nur ein Einziger einem einzigen Anderen die Hand entgegenstreckt. Ich denke an das Fresko des Michelangelo an der Decke der Sixtinischen Kapelle. Die Erschaffung des Adam. Auch ein Gipfeltreffen.

Zwischen diesen beiden Begegnungen muss es eine Verbindung geben. Der eine ungeteilte Mensch, der für alle steht, und die vielen, die aus diesem Ursprung leben, Frauen und Männer, gehören zusammen. Zwischen den Händen- der ausgestreckten, die ins Leben ruft, und denen, die noch in sich verschränkt sind - darf kein Widerspruch entstehen.

Der Berg ist wie eine Mahnung: Mensch, gedenke, dass du sterblich bist, ein Geschöpf, dessen Lebenszeit nur kurz ist im Angesicht der »ewigen« Berge. Mensch, gedenke, dass du Leben schenken sollst, verhärte nicht dein Herz. Mensch, gedenke Gott, unser Gott, ist einzig.

Papst-Gipfel-Treffen: Wohin führt der Weg dieses Papstes als Mensch unter Menschen: aufeinander zu, voneinander weg, auf einen neuen Gipfel, durch ein finsteres Tal, über einen gefährlichen Gletscher, auf einem sicheren Weg weiter und weiter und weiter? Wohin? Jetzt erst einmal heißt Köln das gemeinsame geografische Ziel. Auf den Gipfeln der Berge kann niemand bleiben.

Aurelia Spendel OP