Durchwehe mein Leben (Element : Luft)



Leben in Hülle und Fülle breitet sich da vor den Augen des Betrachtenden aus. Leben, gepackt in die unterschiedlichsten Formen von Wäsche. So einfach, so banal, so alltäglich. Wer könnte daran vorbeisehen, dass es sich hier um einen
Lebens-Ausdruck in seltener Vielfalt handelt? Hemden, Hosen, Laken und Kopfkissen, Tischtücher, Servietten, Windeln, Strümpfe und Unterröcke, Handtücher genauso wie delikate Dessous? Wunderbar!

Wer hat diese Wäschestücke gefertigt? Wer die Baumwollen angebaut und gepflückt? Wer hat sie verarbeitet? Wer die Schafe gezüchtet und sie geschoren? Wer die Seidenraupen gepflegt? Wer wusch die Wäsche und wer wird sie tragen? Wer verkaufte sie, wer hat sie eingekauft, verschenkt, gestohlen, geerbt? Leben so weit das Auge reicht. Wunderbar!

Aller Wäsche gemeinsam ist das Flattern im Wind. Endlich: Nach heftigen Regengüssen Sonne und Wind. Für eine echte Hausfrau gibt es dann kein Halten mehr - die Wäsche muss auf die Leine und trocknen. Wie sie dann duftet! Wie sie strahlt! Ein Hochgenuss für die Wäscherin und für alle, die sie verwenden. . Ob uns bei diesem Anblick der Heilige Geist in den Sinn kommt? Wohl eher nicht. Aber: Der Wind ist eines seiner Symbole. Nicht machbar. Nicht regierbar. Er weht, wo er will, er durcharbeitet alles, was und wann er will. Das Banale und Alltägliche genauso wie das Festliche und Außergewöhnliche.

Das nächste Mal, wenn meine Wäsche nach Sonne und Wind duftet, werde ich beten: »Komm, Heiliger Geist. Durchwehe mein Leben.«

Aurelia Spendel OP