Das letzte Wort hat nicht der Tod (Dennoch leben I)
Das letzte Wort hat nicht der Tod
DENNOCH LEBEN von Aurelia Spendel OP

0stern! Niemand liegt mehr wie zerstört am Boden. Die Welt wird neu!

Ostern! Leben ganz und gar. Menschen richten sich auf und werden aufgerichtet.

Ostern! Jubel in den Kirchen und in den Gärten, auf den Feldern und in den Herzen. Die Welt ersteht mitten aus dem Tod.


Ein Bild, das mehr zeigt als buntes Glas. Zwei Menschen, ruhig betrachtend; nachdenklich. Ist das ein Osterjubelbild? Dieses Bild atmet ein Geheimnis. Ein Fenster aus Licht.
Offen und geschlossen zugleich. Ein offenes Geheimnis?

Drei schöne Holzblöcke für alle, die einen Ort brauchen, der das Gewicht ihrer Gedanken tragen kann. Ruhebänke für die Müden, die sich nicht auf den Beinen halten können, weil die Last des Lebens sie niederdrückt. Ein tragendes Fundament?

Menschen sind versunken in die Erinnerung an andere: Kaprun! Das ist die Gedenkstätte für die Opfer von Kaprun. Kaprun - das ist der Name für jene entsetzliche Tragödie im November 2000, als in dem österreichischen Skigebiet Kinder, Jugendliche, Väter und Mütter in einer Zahnradbahn verbrannt, erstickt, zerquetscht wurden. Eine Katastrophe auf Grund menschlichen Versagens.

Das Bild der Gedenkstätte von Kaprun ist ein Osterbild. Ein Erinnerungsbild an Leben, das bleibt, obwohl der Tod es vernichtet hat. Leben, das in geheimnisvoller Weise neu werden kann. Geheimnis des Glaubens: Im Tod ist das Leben.
So wie Ostern wirklich neues und nicht nur repariertes Leben ist, so ist in Kaprun Leben unwiderruflich zerstört worden und gleichzeitig unwiderruflich erstanden.

Gegen alle Hoffnungslosigkeit: Leben aus dem Tod. Behutsam und tastend geht es jener Ahnung nach, die aus dem weißen Licht der Sonne geboren wird.

Ostern ist Licht und Leben. Unter allen Umständen.
Auch unter solchen wie in Kaprun.

Aurelia Spendel OP