Hilfreiche Angebote, auf die sich keiner freut

 

Ob es Weilrods Bürgermeister Axel Bangert gelungen ist, mit der Info-Veranstaltung zu
Palliativeinrichtungen den Bürgern die Angst vor dem Sterben zu nehmen? Aufschlussreich war
sie allemal.


Rod an der Weil. 
Die Frau ist 80 Jahre alt und macht sich so ihre Gedanken: Lange wird sie nicht mehr unter den
Lebenden weilen. Sie spürt, dass ihr Ende langsam, aber sicher naht. „Was machst du dir denn
bloß für Gedanken? Du bist doch noch so fit!“ Mit solchen und ähnlichen Argumenten versuchen
Angehörige oft, das, was die alte Dame ahnt, aus ihrem Bewusstsein zu verdrängen. Dabei ist
doch wirklich nichts so sicher wie der Tod, der jeden irgendwann einholt. Ausnahmslos.

„Die Geburt und der Tod sind die Eckpunkte des Lebens“, fasste Helgard Kündiger zusammen,
was im Grunde jeder weiß, auch wenn mancher sich vielleicht nur ungern mit dieser Tatsache
auseinanderzusetzen wagt. Kündiger ist Klinik- und Hospizpfarrerin, ihr Einsatzgebiet sind die
Hochtaunuskliniken in Bad Homburg.

Eine Abteilung dieser Klinik ist die Palliativstation, einer der Wirkungsorte der Pfarrerin. Die
Station ist ein Hospiz, eine Herberge für jene Gäste, denen hohes Alter oder unheilbare
Krankheiten nur noch eine kurze Lebensspanne gestatten. Ihnen diesen letzten Abschnitt ihres
Daseins lebenswert zu gestalten, ist erklärte Aufgabe des Hospizdienstes Bad Homburg, den
Kündiger leitet.


Gut vernetzt
Der wiederum ist gut vernetzt mit anderen Diensten, die im Wirkungskreis der Palliativmedizin
angesiedelt sind. Am Mittwoch waren Vertreter all jener Einrichtungen der Einladung von
Bürgermeister Axel Bangert (SPD) gefolgt, um einem interessierten Publikum in Rod an der Weil
die Angebote vorzustellen, die eben auch auf dem Land zur Verfügung stehen.

Dr. Robert Gaertner beispielsweise, Arzt für Allgemein- und Palliativmedizin, ist Geschäftsführer
des Palliativteams Hochtaunus. Er beschrieb das „Versorgungsmosaik“, das aus speziell
weitergebildeten Hausärzten, dem ehrenamtlichen, dabei professionell geführten Hospizdienst,
der Pflegeversicherung, der informellen Hilfe durch Angehörige, aus osteuropäischen Hilfskräften
sowie der Palliativstation gebildet wird.

Während der Bad Homburger Klinikleiter Dr. André Althoff die Kooperationen mit anderen
Einrichtungen beschrieb und schilderte, dass die Patienten der Palliativstation mit dem Ziel
behandelt werden, nach Hause entlassen zu werden, sah man Menschen im Publikum beifällig
nicken. „Wir sehen nicht nur die Krankheit“, sagte der Mediziner, „sondern auch die Seele und die
Familie.“

Eben jener ganzheitliche Ansatz prägt den palliativen Gedanken. Der Begriff „palliativ“ entstammt
dem lateinischen Wort „pallium“ (Mantel). „Palliare“ heißt, „mit dem Mantel umhüllen“ – sicherlich
ein passender Begriff für die Philosophie des Betreuens. Die Weilroder Ärztin Dr. Susanne Behne
rückte die ganzheitliche Philosophie der Palliativmedizin ebenso in den Vordergrund wie die
anderen Podiumsteilnehmer.

Stets ging es darum, die Sterbenden ihre letzte Lebensphase in Würde verbringen zu lassen und
ihnen somit ihre Wünsche möglichst zu erfüllen. Dies gelte ebenso für die Patienten im Hospiz
„Arche Noah“, wie man von Ingrid Ollendiek erfuhr. „Bei uns bekommen die Sterbenden auch
mitten in der Nacht eine Mahlzeit, wenn sie Hunger verspüren“, sagte die Leiterin des Heims in Niederreifenberg.

 

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Quelle: www.tz-usingen.de, Text: Dorit Lohrmann, Foto: