Unsere Währung heißt Vertrauen

2. USINER PFLEGETALK Experten weisen auf Bedeutung von Patientenverfügung und Vorsorgevollmacht hin / Hospizhelfer gesucht

 


Bürgermeister Steffen Wernard (Mitte) dankt den Referenten und Organisatoren für den informativen Abend. Von links: Fridtjof Biging, Dr. Daniela Walencyk, Heidelore Wehner, Gabriele Valerius-Klahm, Ulrike Ihlefeld, Helgard Kündiger, Ingrid Ollendiek, Susanne Fasold, Annett Fröhlich-Rehnert und Katharina Distler.

USINGEN - (cu). Wie man eine schwere Zeit erträglich macht und auch die letzten Lebenstage noch lebenswert gestalten kann – das stand im Fokus beim zweiten Usinger Pflegetalk, wie Bürgermeister und Schirmherr Steffen Wernard in einleitenden Worten sagte. Sieben Referenten, darunter die Organisatorinnen des „Pflegetalks“, Katharina Distler und Annett Fröhlich-Rehnert, beleuchteten am Donnerstagabend in der Hugenottenkirche den Themenkreis aus ihrem jeweiligen Blickwinkel.

Zwar würde über Themen wie die Pflegebedürftigkeit und das Sterben nicht gerne gesprochen, doch beides könne auch Menschen in jüngerem Alter treffen, begann die freie Versicherungsmaklerin Annett Fröhlich-Rehnert. Die betroffenen Familien müssten dann oft sehr plötzlich mit der Situation klarkommen. 2,63 Millionen Pflegedürftige habe es laut Statistischem Bundesamt in Deutschland Ende 2013 gegeben und für 2020 rechne man mit 3 Millionen, im Jahr 2050 schon mit 4,5 Millionen. Auch nach dem neuen Pflegestärkungsgesetz müssten sie noch etwa 50 Prozent der Kosten für ihre Pflege und Betreuung, egal ob zu Hause oder im Pflegeheim, selbst aufbringen. Fröhlich-Rehnert erläuterte, wie man finanziell vorsorgen kann, damit die Kosten nicht das Familienvermögen aufzehren.

Ein Problem sei – da waren sich alle Referenten einig – die oft zu lange Lieferzeit bei der Versorgung der Kranken mit Hilfsmitteln wie Pflegebetten, Rollstühlen oder Sauerstoffgeräten. Schuld daran sei die bei den Krankenkassen verbreitete Ausschreibungspraxis, auf die Katharina Distler vom Sanitätshaus Schäfer einging. Dadurch seien die Patienten auf einen bestimmten Lieferanten – eben den günstigsten Anbieter – angewiesen, was häufig mit Qualitätseinbußen und mangelnder persönlicher Betreuung einhergehe.

Susanne Fasold, Palliative-Care-Fachkraft von der Diakoniestation Taunus gGmbh hatte, was die Betreuung der Kranken durch die Pflegedienste in der Region angeht, immerhin beruhigende Nachrichten. Die Versorgung sei gut und die Krankenschwestern fungierten oft auch als Bindeglied zwischen den Patienten und ihren Angehörigen auf der einen Seite und den Hausärzten, dem Palliativ-Team und den Hospizdiensten auf der anderen Seite, sodass auch in Krisensituationen schnell reagiert werden könne.

Dr. Daniela Walencyk, Mitarbeiterin im Palliativteam Hochtaunus, bestätigte, dass sie oder einer ihrer Kollegen Tag und Nacht erreichbar sind. Das Team betreut auf ärztliche Verordnung hin Schwerstkranke zu Hause oder im Heim, wenn diese unter belastenden Symptomen wie Schmerzen, Übelkeit, Atemnot oder Angst leiden. „Wir bereiten die Angehörigen auch auf Situationen vor, die ganz plötzlich auftreten können, wie starke Schmerzen oder Angstgefühle, sodass sie dem Patienten bereits helfen können, während wir auf dem Weg zu ihnen sind“, erläuterte die Ärztin.

„Unsere Währung heißt Vertrauen“, bekannte Helgard Kündiger vom Bad Homburger Hospizdienst, der Schwerstkranke und Sterbende im Rahmen regelmäßiger Besuche ehrenamtlich betreut. „Wer sich bei uns meldet, den lassen wir nicht im Regen stehen“, bekräftigte sie. Die Beratung und Betreuung sei für den Empfänger kostenfrei. Sterbebegleitung sei keine Technik, sondern eine Kunst, die mit zunehmender Erfahrung reife, erläuterte sie und ermunterte die Anwesenden auch dazu, sich ebenfalls zum Hospizhelfer ausbilden zu lassen. Der Verein wäre sehr dankbar für zusätzliche Helfer.

Genau wie bei der palliativmedizinischen Versorgung und der Betreuung durch ambulante Hospizhelfer stehe auch in den stationären Hospizen in Niederreifenberg und Oberursel der Wille der Menschen an erster Stelle, unterstrich Ingrid Ollendiek. „Wenn Kranke sich nicht mehr äußern können, versuchen wir zu erspüren, was sie sich wünschen und was ihnen guttut“, hatte schon Helgard Kündiger betont. Im Hospiz gibt es verschiedene Therapie- und Beschäftigungsangebote auf freiwilliger Basis, wichtig sei auch die Angehörigenbetreuung, so Ollendiek. Das Ziel sei ein friedlicher Übergang vom Leben zum Tod. Der Charakter in den Hospizen sei familiär, es gebe maximal 16 Betten, auch Gästezimmer für Angehörige, und die Bewohner würden von einem interdisziplinären Team umsorgt, das die medizinische, pflegerische, psychologische und seelsorgerische Betreuung gewährleiste.

Gleiches gilt für die Palliativstation in den Hochtaunuskliniken Bad Homburg mit ihren zehn Einzelzimmern, in denen auch ein Angehöriger mit übernachten kann, wie Fridtjof Biging, Pflegeberater auf der Station, berichtete. Da die meisten Menschen ihre letzten Tage wenn möglich jedoch nicht im Krankenhaus verleben möchten, ist es dort wichtig, das häusliche Umfeld nach der Entlassung vorzubereiten und genau dafür ist er zuständig. Dabei geht es sowohl um die Versorgung mit notwendigen Hilfsmitteln als auch um die Betreuung durch Ärzte, Pflegekräfte und gegebenenfalls Hospizhelfer und Psychologen. Abschließend wies Biging auf die elementare Bedeutung von Patientenverfügung und Vorsorgevollmacht hin.

 

 

Den Original-Artikel finden Sie unter:
http://www.usinger-anzeiger.de/lokales/usingen/unsere-waehrung-heisst-vertrauen_15203659.htm



Quelle: www.usinger-anzeiger.de, Text (cu), Foto: