Den Menschen auf dem letzten Weg richtig begleiten
INFORMATIONSABEND Experten stellen in Wehrheim die Möglichkeiten im Hochtaunuskreis vor / Stationäre und ambulante Angebote

WEHRHEIM - (rm). Ein Bier oder ein Stück Torte? Wenn der Lebensweg zu Ende geht, können solche leckeren Dinge die Lebensqualität verbessern und das Leben lebenswert machen. Doch wie kann man Menschen auf dem letzten Weg begleiten? Richtige Antworten gibt es nicht, aber viele Hilfen und Unterstützung, wie in der Informationsveranstaltung zum Thema hospizliche und palliative Versorgung im Bürgerhaus deutlich wurde. Eingeladen hatte die Gemeinde zusammen mit der Initiative zur hospizlichen Betreuung im Hochtaunuskreis, die auch die Charta für Sterbende unterstützt. Bürgermeister Gregor Sommer konnte den Hausarzt Dr. med. Andreas Tauber, die Palliativpflegerin Susanne Fasold, Dr. Robert Gaertner, Palliativmediziner und Geschäftsführer des Palliativteams Hochtaunus GmbH, Fridtjof Biging (Care Manager in den Hochtaunuskliniken) Helgard Kündiger, Theologin, Seelsorgerin und Gründerin der ambulanten Hospizarbeit im Hochtaunus sowie Detlef Wecke von der Hospizgemeinschaft Arche Noah in Niederreifenberg begrüßen.

Der Hausarzt ist in vielen Fällen die Schnittstelle, wenn es um eine schwere und Erkrankung geht. Er kennt die Familiengeschichte, und hier sollte frühzeitig eine Patientenverfügung hinterlegt werden, so Tauber. Er wird auch, wenn sich der Zustand nicht verbessern wird, die Hilfe der Spezialisierten Ambulanten Palliativen Versorgung, kurz SAPV, hinzuziehen. Hier gibt es pro 250000 Einwohner ein Team mit Palliativmedizinern und Pflegern, das 24 Stunden rund um die Uhr erreichbar ist. „Das oberste Gebot ist Schmerzen zu lindern“, so Susanne Fasold. „Pallium“ aus dem Lateinischen bedeute Mantel und „palliativ“ bedeute ummanteln, umsorgen, schützen. Die Mitarbeiter der Palliativpflege haben mehr Zeit für die Kranken und können besondere Wünsche erfüllen und den Pflegebedarf klären.

Seit 2006 gibt es auch ein Gesetz, das den Anspruch auf Versorgung bei schwersten Erkrankungen regelt, so Dr. Robert Gaertner. Allerdings werde dies in jedem Bundesland anders gehandhabt. Hessen habe die beste Versorgung in Deutschland.

Nicht immer sind die Pflege und Betreuung schwerstkranker Menschen zu Hause möglich und nicht immer können dies die Angehörigen leisten. In den Hochtaunuskliniken in Bad Homburg gibt es eine kleine Station mit zehn Betten, die über der Neugeborenenstation angesiedelt ist, wie Fridtjof Biging berichtete. „Hier kann gestorben werden, muss aber nicht.“

Den Menschen so zu nehmen wie er ist, im Übergang vom Leben in den Tod auch Vertrauen geben. Das ist eine der Hauptaufgaben des Bad Homburger Hospizdienstes, der den Hintertaunus mit betreut. „Sterbebegleitung ist keine Technik, sondern eine Kunst, und je öfter ich sie ein- und ausübe, desto besser gelingt es“, betonte Helgard Kündiger. Und das heißt auch die Verzweiflung und Ambivalenz in Verbindung mit der Angst und dem Wunsch zu sterben mit den Menschen aushalten. Und hier darf auch der Helfer mal ratlos sein. „Sterbehilfe brauchen wir nicht, wie müssen nur den Mut haben, Menschen sterben zu lassen.“ So auch im Hospiz Arche Noah, von dem Detlef Wecke berichtete. Auch hier gibt es eine Vielzahl an Therapien und Gesprächen mit den Angehörigen und sogar einen Fahrdienst. Wichtig ist jedoch auch die Kostenklärung mit der Krankenkasse, so Wecke. 90 Prozent der Kosten werden von den Kassen übernommen und zehn Prozent muss die Einrichtung selbst aufbringen. Dies geschieht über Spenden.



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http://www.usinger-anzeiger.de/lokales/wehrheim/den-menschen-auf-dem-letzten-weg-richtig-begleiten_16190540.htm

Quelle: www.usinger-anzeiger.de, Text: (rm)