Häufige Fragen (FAG)
Ein Interwiew mit der Koordinatorin der ambulanten Begleitung Petra Finger (P.F.) und dem Pressesprecher der Hospizgemeinschaft Arche-Noah Hochtaunus Wolfgang Hülsen (W.H.)
W.H.: Was ist unter einer ambulanten Begleitung zu verstehen ?
P.F.: Begleitung bedeutet für uns vor allem „DA-sein“, zuverlässig da-sein !
Die ambulante Begleitung eines schwerkranken Menschen findet zu Hause
statt, alternativ im Alten- oder Pflegeheim, wenn er dort zu Hause ist.
W.H.: Wer kann eine Begleitung in Anspruch nehmen ?
P.F.: Wenn die Verfassung eines Menschen keine Aussicht auf Heilung mehr zu-
lässt und seine Lebenserwartung begrenzt ist, bin ich für ihn und die Ange-
hörigen unter der Tel.-Nr.: 0172 / 676 88 88 zu erreichen. Aus meinem Erst-
gespräche geht hervor, welche Form der Begleitung gewünscht wird. Auch
wenn diese erst zu einem späteren Zeitpunkt angedacht ist, bringt dieses Erst-
gespräche den Betroffenen und ihren Angehörigen Klarheit und Anregungen
für ihre häusliche Situation.
W.H.: Wie oft besuchen Sie den Patienten ?
P.F.: Der übliche Zeitrahmen ist zweimal pro Woche ca. 2 Stunden, in denen eine
Hospizhelferin oder ein Hospizhelfer - und zwar immer die gleiche Person-
nach Hause kommt. In dieser Zeit können die Angehörigen Notwendiges erledigen
oder auch einmal beim Friseur oder in der Sauna abschalten. In unserer Gesellschaft
wird häufig unterschätzt, dass eine Pflege zu Hause eine „rund um die Uhr -
Beschäftigung“ ist, die eine schwere körperliche und seelische Anstrengung bedeutet.
W.H.: Worin besteht die Begleitung ?
P.F.: Wir wollen die Angehörigen in ihrer häuslichen Situation unterstützen
und für sie und die Kranken ein einfühlsamer Gesprächspartner sein.
Wichtig ist zu wissen, dass unsere HospizhelferInnen der Schweigepflicht
unterliegen und nichts über die Situation nach draußen dringt .
W.H.: Pflegen Sie auch die Patienten ?
P.F.: Nein, wir sind weder Pflegekräfte noch HauswirtschafterInnen ,
sondern reine Begleiter, die die Situation ein Stück weit mittragen wollen
und über die Besuche hinaus im Hintergrund bereit stehen ,
wenn Unvorhergesehenes geschieht.
W.H.: Was empfinden Sie als wichtig im Umgang mit den Patienten ?
P.F.: Wichtig für uns, ist das Eingehen auf die Situation des Patienten .
Was einem Menschen gut tut, kann letztlich nur er selbst bestimmen
und das wollen wir unterstützen, sofern es unsere Grenzen nicht überschreitet.
Manchmal ist das ein Gespräch, das Schreiben eines Briefes oder auch die
Suche nach einem dritten Mann beim Skat. Fest steht, es geht nicht immer nur
traurig zu während unserer Besuche. Lachen und Weinen liegen dicht
beieinander ebenso wie Leben und Sterben. Deshalb spreche ich auch nicht
gerne von Sterbebegleitung, denn wir begleiten Leben bis zum Ende.
W.H.: Wer sind denn die Begleiter ?
P.F.: Jede Begleiterin und jeder Begleiter der Arche-Noah hat eine ca. 1 jährige
Hospizhelferqualifikation erfahren. Das Erfahren drückt bereits aus, worum es
in der Qualifikation hauptsächlich geht – die eigene Erfahrung im Umgang mit
Verlust und Tod. Deshalb ist der Schulungszeitraum von einem Jahr
( bestehend aus drei Wochenenden, zwölf Abenden und Praktika ) für die
eigenen Prozesse ein eher kurzer Zeitraum. Der andere Teil der Schulung
dreht sich um praktische Fragen zum Thema Sterben und Tod, rechtliche
Fragen, Schmerztherapie und vieles mehr. Wichtig ist hierbei auch die
praktische Erfahrung, die während eines Begleitpraktikums gesammelt wird.
Selbstverständlich bilden wir unsere HospizhelferInnen auch ständig weiter.
W.H.: Was kostet das ?
P.F.: Diese Frage beantworte ich am liebsten : „Wir“ kosten nämlich gar nichts.
Unsere HospizhelferInnen setzen ihre freie Zeit ein, um einen ehrenamtlichen
Dienst zu tun. Wir als Hospizverein „begleiten“ unsere Begleiter, damit sie mit
dieser wichtigen Aufgabe nicht allein gelassen werden. Die Kosten hierfür
trägt der Verein, der sich seinserseits aus Spenden finanziert.
W.H.: Seit neuestem gibt es den „Offenen Trauerkreis“, was ist hierunter zu verstehen ?
P.F.: An diesem Kreis können Angehörige und Freunde von Verstorbenen teilnehmen,
auch solche, die sich nicht in unserer Begleitung befunden haben. Der Kreis
ist also offen und erfordert auch keine ständige Teilnahme. Hier finden unter
professioneller Anleitung alle Betroffenen ein offenes Ohr und Anregungen auf dem
Weg der Trauer. Die Teilnahme ist kostenlos.
Der offene Trauerkreis findet jeden 4. Dienstag im Monat um 18.30 Uhr
im Katholischen Gemeindezentrum, Georg Pingler-Str. 26 in Königstein statt.
Hierzu möchte ich herzlich alle Betroffenen einladen.
W.H.: Liebe Petra Finger, ich danke Ihnen herzlich für das informative Gespräch.
Ich glaube, wir würden uns beide freuen, wenn die Leser unsere Hospizarbeit
mit einer kleinen Spende auf das Konto 270 052 053 BLZ 510 500 15 bei der
Nassauischen Sparkasse unterstützen würden