Operation

     O - P - zwei Buchstaben nur -
     doch sie schlagen ein,
     wie eine Bombe.
     Vor meinen Augen flattert
     ein rotes Tuch im Winde.
     Eine eiserne Hand
     greift nach meiner Kehle.
     Meine Sinne laufen Amok.

     Auf heißen Kohlen
     warten Schere und Skalpell.
     Bereit für seinen Einsatz
     liegt der schwarze Faden,
     ein sich später
     kringelndes Tattoo
     auf indianderfarbener Haut.

     In meinem Herzen Totenstille.
     Was ich selber tun konnte,
     ist getan.
     Jetzt zwingt mich Ohnmacht
     auf die Knie.
     Besondere Bedeutung
     bekommt das Wort 'Vertrauen'.
     Meinen Leib, den hilflosen,
     bedeckt ein weißes Leinenhemd.
     Werde ich die Welt
     je wieder sehen?

     Aus dem kühlen Raum
     dringen warme Worte
     an mein Ohr.
     Weich ist die Hand,
     die sich auf meine legt.

     Plötzlich ergreift mich
     ein wohliges Gefühl.
     Mir ist, als wenn
     man mich in Seide hüllt.
    
     Aus meinem scheinbar
     leblosen Kokon
     entflieht der Geist
     für eine kleine Reise,
     statt Blut,
     will er viel lieber
     rote Rosen sehen,
     Mykonos und Meeresrauschen.
    
     Da ruft aus weiter Ferne
     jemand meinen Namen.
     "Es ist alles gut."

     Danke der geübten Hand
     mit dem Skalpell.
     Danke allen Engeln,
     die mich bewachten
     und liebevoll betreuten.
     Danke meinem Schöpfer,
     der in dem Buche
     meines Lebens
     eine neue Seite
     aufgeschlagen hat.


Gisela Stumm