Die Angehörigen für einige Stunden entlasten

HOSPIZ Der ambulante Dienst macht Hausbesuche und hilft vor Ort 

NIEDERREIFENBERG - (mg). Niemand da, mit dem man im Alter ein Schwätzchen halten oder eine Runde Karten spielen kann? Was viele nicht wissen, seit sieben Jahren gibt es Menschen, die anderen helfen, rein ehrenamtlich und kostenfrei. In der Feldberggemeinde Schmitten mit ihren neun Ortsteilen, aber auch in Glashütten und in Königstein stehen zwischen 15 und 20 Helfer des ambulanten Dienstes der Hospizgemeinschaft Arche Noah Hochtaunus zur Begleitung Sterbender und Lebensbeistand e.V. im Dienste der Allgemeinheit.

Wie genau dies funktioniert, erklärte die neue Koordinatorin des ambulanten Hospizdienstes, Diana Milke, die im Dezember vergangenen Jahres die Nachfolge von Petra Finger antrat. „Wir entlasten Angehörige, damit sie auch einmal Zeit für sich finden. Zum Beispiel für einen Friseurtermin oder einfach nur, um zuzuhören oder mit ihnen durch den Garten zu laufen.“ Die ambulanten Helfer pflegen nicht, sie kommen in der Regel einmal in der Woche für ein bis zwei Stunden in den Privathaushalt, aber auch in Alters- oder Pflegeheime.

Oft wollen kranke Menschen die eigenen Angehörigen nicht belasten oder sind allein zu Hause und wären für ein bisschen Zusprache sehr dankbar. Wer vor allem Sterbende betreut, weiß, wie anstrengend dies sein kann. „Das wird oft gar nicht erwähnt“, meint Milke, die selbst mit dem Sterben erstmals im Alter von zehn Jahren in Berührung kam.

Später als Fachkrankenschwester auf der Intensivstation der Universität Frankfurt erlebte sie, dass „dort auch gestorben wird, aber Ziel ist es, zu überleben.“ Jetzt könne sich die verheiratete Mutter zweier Kinder aus Neu-Anspach dem Sterben außerhalb steriler Krankenbetten widmen. Kommt eine Anfrage, besucht sie die Menschen und sucht anschließend aus ihrem Mitarbeiterpool den passenden Helfer beziehungsweise die entsprechende Helferin aus. Manchmal übersetzt sie als Dolmetscher die komplizierte Arztsprache, „die nicht unbedingt jeder versteht“. Heidelore Wehner, Geschäftsführerin des Hospizes Arche Noah in Niederreifenberg, meint, dass es vielleicht gerade sinnvoll wäre, wenn jemand da wäre, der nicht über Medizin oder Krankheit spreche.

Aktuell werden fünf Menschen ambulant begleitet. „Wenn es sich herumspricht, dass keinerlei Kosten für die begleiteten Menschen entstehen“, vermutet Wehner, „benötigen wir dringend neue Leute. Diese werden vom Verein auf ihre Arbeit vorbereitet und qualifiziert. Auch diese Kosten trägt der Verein komplett. „Nur die Zeit müssten die Ehrenamtlichen selbst aufbringen“, versichert Wehner. Im Herbst startet der neue Ausbildungskurs über 60 Stunden, der vorwiegend an den Wochenenden stattfindet. Zusätzlich muss ein Praktikum absolviert werden. Wer dann im Dienste der Menschheit arbeite, erhalte eine Aufwandsentschädigung.

Übrigens: Der ambulante Dienst kümmert sich um jeden Menschen, egal welcher Religion oder Staatszugehörigkeit.

Das Büro in Königstein in der Herzog-Adolph-Straße 2 ist montags, dienstags und freitags jeweils von 10 bis 12 Uhr besetzt. Anrufe außerhalb dieser Zeiten nimmt Diana Milke unter 06174/6396692 und 0172/6768888 entgegen. Wer möchte, kann ihr auch eine E-Mail unter koordinatorin@hospizgemeinschaft-arche-noah.de senden. Weitere Informationen gibt es unter www.hospizgemeinschaft-arche-noah.de.



Quelle: Text und Foto M. Götz, Usinger Anzeiger vom 29. Jan 2014