Therapierhund Emma

HOSPIZ ...auch wenn es zu Ende geht: Wie Therapierhund Emma in der Arche Noah hilft



Ein Hund im Bett? Therapiehund Emma darf das, weil er kleine und große, junge und alte Menschen glücklich macht.  Foto: Götz

 

NIEDERREIFENBERG - (mg). Emma hilft, spendet kleinen und großen Patienten Trost, Geborgenheit und Freude. Doch der Weg zu einem guten Therapiebegleithund führte die sechs Jahre alte Hündin unter anderem auch durch 30 Meter langen Tüll, mit dem sie komplett eingehüllt und anschließend auch noch beworfen wurde. Hört sich hart an, ist aber notwendig. Denn Ziel der neun Monate langen Ausbildung in Hannover war, den Hund unter „Stress, Stress und noch mal Stress zu setzen“, sagt Frauchen Ivana Seger, ausgebildete Pflegefachkraft, die mit Emma im Hospiz Arche Noah in Schmitten-Niederreifenberg ihre tiertherapiegestützte Arbeit anbietet.

Wird ein normaler Familienhund massiv geärgert, verhält er sich in der Regel so, dass er knurrt oder seine Lefzen gefährlich nach oben zieht, um zu zeigen: „Bis hierher, sonst beiße ich.“ Ein gutmütiger Geselle zieht sich vielleicht ganz zurück, wenn er kann. Wird das Tier in die Enge getrieben, könnte es gefährlich werden. Hierüber würde Emma, wenn sie denn könnte, nur müde lächeln, denn die reinrassige Labradorhündin verfügt über eine sehr hohe Toleranzgrenze. Menschen, die vor furchtbaren Schmerzen um sich schlagen, krankheitsbedingt unkontrolliert Zuckungen ausgesetzt sind, werden von Emma trotz aller Widrigkeiten freundlich aufgenommen. Nur zwei Mal musste Hundeführerin Seger während der Ausbildung Situationen beenden, als der Hund typische Stresssymptome wie Hecheln, Gähnen und „übers Maul lecken“ zeigte. Darunter fiel auch die stressige Tüll-Übung.

Aber man muss zugeben, dass trotz aller Ausbildung solch ein Hund recht selten ist. Anhand von Tests suchte Seger Emma aus einem Elfer-Wurf aus und sorgt stets für genügend Abwechslung: Vor Therapieeinsätzen in Schmitten nutzt sie ihre Anfahrt aus Flörsheim für einen sechs Kilometer langen Spaziergang auf dem Großen Feldberg. Und weil ein Labrador mit seinen Schwimmhäuten zwischen seinen Zehen für das gefühlvolle weiche Apportieren von Enten im Wasser gezüchtet wurde, zog sie extra an den Main in ein Haus mit Garten, weil Emma am liebsten die Bälle auch im Winter aus dem Fluss holt.

Die braune Hündin ist quasi im Hospiz Arche Noah groß geworden. Denn schon früh wollte Seger mit einem Therapiehund ihre Arbeitskraft anbieten. So kam es, dass Emma mit ihrer Pfote den Arbeitsvertrag neben Frauchen unterzeichnete. Die Ausbildung, die ein Mindestalter von einem Jahr voraussetzt, wurde für den Hund damit besiegelt. Zuvor legte Emma die Hundebegleitprüfung mit sehr gut ab – eine unabdingbare Voraussetzung. Das eingespielte Duo lernte viel auf dem gemeinsamen Weg. Erbricht oder spuckt ein Patient Blut, geht Emma selbstständig zur Tür, damit dem Mensch geholfen werden kann. Tabletten schlucken ist für die Hündin tabu, Zugänge berührt sie nicht.

Und doch stößt der 25,8 Kilogramm schwere Hund mit seiner feinen Nase an Grenzen. „Am schwierigsten sind Gerüche, die mancher Krebs hervorruft“, weiß Seger. In der Regel arbeitet der Hund nicht ohne sie, außer, es wird ausdrücklich erwünscht oder Frauchen merkt, dass sie stört. Dann legt Emma ihren Kopf auf die Beine der Patienten, die dem Hund alles erzählen und oftmals dabei bitterlich weinen. Mehrere Menschen sind neben ihr auch verstorben. Aber die Freude, die Nähe, die der kuschelige Vierbeiner den Menschen bringt, ist so groß, dass sie in dieser Zeit alles um sich herum zu vergessen scheinen. Wie ein Eisbrecher fungiert die Fellnase und sorgt bei Patienten mit akuter Atemnot oder Schmerzen für Ablenkung. Kinder dürfen mit Emma ausgelassen spielen und der Hund darf auch mit in das Bett der Patienten; wohlgemerkt erst nach Aufforderung und dem Auflegen der eigenen Hundedecke, die ansonsten Rückzugsort ist.

Genießen kann Emma vor allem die Streicheleinheiten, die sie tausendfach erhält. Und das Schönste in der tiergestützten Therapie ist, dass Hunde wie Pferde oder Delphine vollkommen wertfrei sind und nichts einfordern. Für sie sind alle Menschen gleich. Darunter fallen auch Hospiz- und Klinikmitarbeiter, die immer wieder froh sind, wenn Emma das Haus betritt.

Ein Wermutstropfen bleibt, denn diese für alle überaus hilfreiche Zusatzleistung wird nicht von den Krankenkassen übernommen. „Umso wichtiger sind Spenden für die tägliche Zweistundenarbeit von Emma mit ihrem Frauchen“, betont Heidelohre Wehner, Geschäftsführerin des Hospizes Arche Noah, dessen Verein alle Kosten tragen muss.



Quelle: www.usinger-anzeiger.de vom 15.06.2014 Autor: mp Foto: Götz