Stellvertretende Pflegedienstleiterin Bärbel Schmidt verabschiedet

NIEDERREIFENBERG - (bks). Im Hospiz Arche Noah ist die stellvertretende Pflegedienstleiterin Bärbel Schmidt in den Ruhestand verabschiedet worden. Die gelernte Krankenschwester arbeitete neun Jahre im Hospiz.



Wolfgang Hülsen, der mit Dr. Dieter Hausmann vom Vorstand der Hospizgemeinschaft anwesend war, sprach ihr im Namen des Vorstands und aller Angestellten seine große Wertschätzung aus. „Als Sie am 1. April 2005 bei uns anfingen, ahnten wir noch nicht, welche Perle zu uns kam.“ Mit ihrer Fachkompetenz, ihrem Überblick und ihrer umgänglichen Art sei sie eine zuverlässige Mitarbeiterin gewesen, auf die man sich hundertprozentig verlassen konnte. Es sei ihr außerdem immer gelungen, einen guten Kontakt zu den Gästen, wie die Bewohner im Hospiz genannt werden, und ihren Angehörigen aufzubauen. Durch ihr Engagement habe sie den Gästen die letzte Zeit so angenehm wie möglich gestaltet, sodass sie ohne und Angst und in Würde „hinübergehen“ konnten.

Auch der Arzt Dr. med. Michael Schirmer sprach ihr seine Anerkennung aus. Sie hätte den Anstoß zu seiner palliativ-medizinischen Laufbahn gegeben. Denn der Oberurseler Arzt für Innere Medizin rief im Hospiz an, um einen Patienten anzumelden. Er hatte Bärbel Schmidt am Telefon, die ihm mitteilte „Wir haben ein Bett, aber keinen Arzt!“, und ihn fragte, ob er dafür nicht infrage komme. Worauf er erwiderte „Das kann ich nicht!“ „Doch das können Sie“, habe sie aufmunternd erwidert. Seit 2008 kümmert sich Dr. Schirmer nun als Palliativmediziner um die Gäste im Hospiz.

Ingrid Ollendiek, seit Anfang des Jahres die Heim- und Pflegedienstleiterin des Hospizes, erinnert sich, dass Bärbel Schmidt ihr zum Vorstellungsgespräch frühmorgens die Tür öffnete. Da habe sie gleich ein gutes Gefühl gehabt, das ihr vermittelte: „hier kann ich beginnen“ und dankte ihr für die gute Zusammenarbeit.

Bärbel Schmidt war zu Tränen gerührt und sagte, es sei eine schöne Zeit in einem tollen Team gewesen, worauf mit Sekt und Häppchen angestoßen wurde.

„Für so einen Job muss man geboren sein“, beschreibt Bärbel Schmidt ihre Arbeit im Hospiz. Gerade an diesem Morgen ihres letzten Arbeitstages sei einer der Gäste im Hospiz verstorben. „Natürlich ist man auch ein wenig traurig, besonders wenn die Gäste lange da waren“, sagt Bärbel Schmidt. Ein Gast verblieb sogar einmal eineinhalb Jahre im Hospiz, viele sind nur ein paar Monate oder nur noch Tage dort. „Man lernt dadurch, dass das Sterben auch zum Leben dazugehört.“ Aus ihrer Arbeit im Hospiz hat sie etwas für sich mitgenommen, nämlich das Leben im Hier und Jetzt bewusster zu leben und zu genießen. „Man schiebt Dinge nicht mehr so lange auf, weil man jeden Tag mitbekommt, dass das Leben so schnell zu Ende sein kann. Denn es sterben hier nicht nur alte Menschen, sondern ja auch junge.“ Daher hat sie sich schon ein paar Monate vor ihrem 65. Geburtstag in den Ruhestand versetzen lassen. Nun möchte sie viel lesen, im Garten arbeiten und Zeit mit ihrer Familie verbringen, mit ihrem Mann, der ebenfalls in Rente ist und ihren zwei Kindern und drei Enkeln.

Am gleichen Tag wurden im Hospiz noch drei zehnjährige Dienstjubiläen gefeiert. Hauswirtschafterin Walburga Bös, die gute Seele des Hauses – wie Heidelore Wehner, die kaufmännische Geschäftsführerin des Hospizvereins, sie nennt – sowie Pfleger Marcos Aepfelbach und Pflegerin Cornelia Nuhn wurden im ersten Jahr des Bestehens des Hospizes eingestellt und haben bis heute die Treue gehalten, ein Beweis für das gute Arbeitsklima.


Zum Umtrunk kam auch Kollegin Jennifer Setka, die sich zurzeit in Elternzeit befindet. Ihr Kind sei „das erste Hospizbaby“ im Team, so Ingrid Ollendiek.


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Quelle: www.usinger-anzeiger.de, Text: (bks), Foto: Schweitzer