Ein Thema ist die „Übergriffigkeit der Medizin“

NEU-ANSPACH - (cu). Aufklären und ein Stück Sicherheit geben – das ist das Ziel der Informationsveranstaltung zur Versorgung schwerkranker Menschen am Dienstag, 23. Juni, um 19 Uhr im Bürgerhaus Neu-Anspach unter der Schirmherrschaft von Bürgermeister Klaus Hoffmann. Veranstalter ist die „Initiative zur hospizlichen und palliativen Betreuung im Hochtaunuskreis“.


Heidelore Wehner, Bürgermeister Klaus Hoffmann und Sabine Scheibel laden im Namen des Netzwerkes zur Informationsveranstaltung ein.

Dahinter steht ein Netzwerk aus ineinandergreifenden ehrenamtlichen und professionellen Einrichtungen, die die medizinische, pflegerische, psychosoziale und spirituelle Betreuung der Kranken gewährleisten. Vertreter dieser Einrichtungen werden sich am Abend vorstellen und Fragen beantworten.

Darunter sind der Allgemeinmediziner Dr. Gerrit Kunz aus Neu-Anspach, die Palliativ-Fachkraft Susanne Fasold von der Diakoniestation, Dr. Robert Gärtner vom Palliativ-Team Hochtaunus, Fridtjof Biging, Pflegeberater „Palliative Care“ an den Hochtaunus-Kliniken, Sabine Nagel vom Ambulanten Hospizdienst Bad Homburg/Usinger Land und Ingrid Ollendiek vom stationären Hospiz Arche Noah in Niederreifenberg.

Das gemeinsame Ziel der Initiative ist es, den Kranken „so beizustehen, dass sie bis zuletzt in Würde leben und sterben können“. Wer Hilfe braucht, kann sich an sie wenden, im Rathaus liegen Flyer mit den einzelnen Ansprechpartnern aus.

Neben den Angehörigen ist es im Regelfall der Hausarzt, der als Erster bemerkt, wenn es einem Patienten signifikant schlechter geht. Dr. Gerrit Kunz, ansässig im Ärztehaus in der Schu-bertstraße, wird die Situation aus der Sicht der betreuenden Hausärzte beleuchten. Er weiß, dass sich manche Angehörige mit der Pflege schwertun. Besonders bei älteren Leuten komme die körperliche Überforderung hinzu. Er kann sowohl die Unterstützung durch Pflegedienste empfehlen als auch, wenn es sich um Schmerzpatienten handelt, das ambulante Palliativ-Team mit einschalten oder in eine Klinik einweisen respektive die Aufnahme in ein stationäres Hospiz in die Wege leiten. Aus eigener Erfahrung weiß Kunz, dass ein Großteil der Bevölkerung nicht informiert ist, was die einzelnen Einrichtungen leisten, und unterstützt daher die Veranstaltung.

Für die regionalen Pflegedienste wird die Krankenschwester und Palliativfachkraft Susanne Fasold anwesend sein. Sie wird erläutern, welche Leistungen deren Hilfestellung umfasst und wie die Zusammenarbeit mit Hausärzten und gegebenenfalls dem Palliativ-Team aussieht.

Patientenverfügung

Ihre Kollegin Sabine Scheibel weist darauf hin, dass die Mitarbeiterinnen auch darin geschult sind, wie der Umgang mit Kranken und Sterbenden in den verschiedenen Konfessionen gepflegt wird. Entsprechend sensibel gehe man vor. Um eine „Übergriffigkeit der Medizin“ hinsichtlich ungewollter Wiederbelebungsmaßnahmen oder lebensverlängernder Apparatemedizin bei Patienten, die sich nicht mehr selbst äußern können, zu vermeiden, sei eine Patientenverfügung unerlässlich, wie sie darüber hinaus unterstreicht.

Die Angebote der ambulanten Dienste richten sich auch an überforderte Angehörige, die ihre kranken Familienmitglieder schon über einen langen Zeitraum pflegen. Häufig sei es so, dass sich das soziale Umfeld der betroffenen Familien umso mehr zurückzieht, je länger die belastende Situation andauert, berichtet Heidelore Wehner von der Hospizgemeinschaft Hochtaunus. „Durch den ambulanten ehrenamtlichen Hospizdienst, der meist zweimal pro Woche für ein bis drei Stunden unentgeltlich nach den Kranken schaut, gewinnen die pflegenden Angehörigen ein wenig Freiraum, sei es für einen Friseurbesuch oder ein Treffen mit Freunden. Unsere Mitarbeiter sind geschult, wissen auch, was in kritischen Momenten zu tun ist“, versichert Wehner. Die meisten hätten das Arbeitsleben bereits hinter sich und seien froh, selbst gesund alt geworden zu sein. „Sie haben Zeit, die sie denjenigen widmen möchten, denen es nicht gut geht, und sie bringen Lebenserfahrung mit“, ergänzt sie und betont, dass dieses Angebot nicht nur Menschen offensteht, deren Lebenserwartung nur noch wenige Tage oder Wochen beträgt.

Bürgermeister Klaus Hoffmann, der die Veranstaltung moderieren wird, hat die Schirmherrschaft gerne übernommen, einerseits um zu zeigen, dass die Stadtverwaltung das Thema mitträgt und andererseits auch, weil er selbst einer Generation angehört, die sich vielleicht schon sehr bald mit der Pflege und Versorgung der eigenen Eltern vertraut machen muss.

 

Den Original-Artikel finden Sie unter:
http://www.usinger-anzeiger.de/lokales/neu-anspach/ein-thema-ist-die-uebergriffigkeit-der-medizin_15626992.htm



Quelle: www.usinger-anzeiger.de, Text (cu), Foto: Urbano