Gut aufgestellt
Keiner muss alleine sterben. Über die fachübergreifende intensive Betreuung, die bis zum letzten Atemzug reicht, informierte die „Initiative zur hospizlichen und palliativen Betreuung im Hochtaunuskreis“.


Bürgermeister Klaus Hoffmann (links) moderierte die Podiumsveranstaltung, an der viele Experten teilnahmen.

Der Tod ist eines der Rätsel, die der Mensch wohl niemals ergründen wird. Viele Menschen haben daher Angst vor dem Ende und sorgen sich vor allem auch über die Zeit unmittelbar davor. Sicher ist: Es triff jeden, nur das Wann und das Wie sind die großen Unbekannten.

„Etwa ein Prozent der Bevölkerung stirbt jährlich, gemessen an der Bevölkerungszahl sind dies rund 2300 im Hochtaunuskreis“, sagte Dr. Robert Gaertner, Spezialist in der ambulanten Palliativversorgung. Davon seien zehn bis fünfzehn Prozent einer schweren Krankheit mit vielen Symptomen ausgesetzt, litten beispielsweise an starken Schmerzen, Erstickungsangst und andauernder Appetitlosigkeit.

Aber auch bei den schrecklichsten Krankheiten brauchen die Menschen hierzulande nicht zu verzweifeln, denn, so lässt sich zumindest die Botschaft der jüngsten Podiumsveranstaltung interpretieren, die Versorgung Schwerstkranker durch ein Zusammenspiel der verschiedensten Fachleute und Einrichtungen ist gut und ganzheitlich organisiert.

Nach Veranstaltungen in Weilrod, Usingen, Kronberg und Friedrichsdorf kamen die Experten jetzt in das Bürgerhaus der Kleeblattstadt, um sich über das Thema „Hospizliche und palliative Versorgung“ zu informieren.

Bürgermeister und Schirmherr der Veranstaltung, Klaus Hoffmann (CDU), begrüßte die rund 50 Besucher und moderierte den Abend. Neben ihm saßen außer dem bereits erwähnten Gaertner auch der Neu-Anspacher Allgemeinmediziner Dr. Gerrit Kunz, Susanne Fasold für die ambulante palliative Pflege, Fridtjof Biging, zuständig für „Pflegeberatung und Palliative Care“ an den Hochtaunuskliniken, Sabine Nagel als Vertreterin der ambulanten sowie Ingrid Ollendiek für die stationäre Hospizarbeit. Veranstalter war die „Initiative zur hospizlichen und palliativen Betreuung im Hochtaunuskreis“.

Die Zahl und Herkunft der Experten zeigte bereits, wie breit die pflegende und medizinische Betreuung aufgestellt ist. Dazu kommt noch die seelsorgerische Betreuung.

Zu Hause sterben

„Jeder Mensch soll selbst entscheiden dürfen, was er will und was er nicht will, aber keiner braucht alleine zu sterben, wenn er das nicht will“, formulierte Sabine Nagel. Die meisten, so die Experten, wünschten sich nichts mehr, als zu Hause sterben zu können. Dafür sind die ambulanten Dienste gerüstet, allen voran das Palliativteam Hochtaunus. „Wir sind 24 Stunden, sieben Tage die Woche erreichbar“, sagte Gaertner, dies könne ein Hausarzt gar nicht leisten, aber man arbeite eng mit diesen zusammen und sie seien es auch, die die Betreuung durch das Palliativteam verordneten.

Alle Podiumsteilnehmer machten deutlich, dass sich kein Patient auf eine bestimmte Einrichtung oder Betreuung festlegen muss, sondern dass Wechsel jederzeit möglich sind. Auch auf den Palliativstationen der Krankenhäuser sind die Schwerstkranken gut aufgehoben. Mit den Neubauten der Hochtaunusklinken sind auch im Hochtaunuskreis Palliativstationen eingerichtet worden. Von diesen führt der Weg, wenn nicht nach Hause, dann oft in ein stationäres Hospiz, von denen es im Hochtaunuskreis die „Arche Noah“ in Niederreifenberg und das Hospiz St. Barbara in Oberursel gibt. Ingrid Ollendiek vom Hospiz Arche Noah betonte den familiären Charakter ihrer Einrichtung, wo man daher auch nicht von Patienten, sondern von Gästen spricht.

Aber auch die Krankenhausstationen beziehen die Angehörigen in die Betreuung auf Wunsch mit ein und bieten, wie im Hospiz, die Möglichkeit der Übernachtung eines Angehörigen an. Auch wenn die Versorgung zu Hause wider Erwarten nicht klappt, stehen Hospize und Palliativstationen jederzeit offen.

Robert Gaertner wies unter anderem noch auf die Patientenverfügung hin, die, so verlange es der Gesetzgeber, umzusetzen sei. Dies bedeute in keinem Fall aktive Sterbehilfe, aber die Einstellung lebensverlängernder Maßnahmen.

Im Anschluss an die Informationen vom Podium hatten die Besucher reichlich Gelegenheit zu fragen, und viele interessierten sich für Formalitäten, Kosten und Leistungen der Pflegeversicherungen. Über die Einrichtungen und Leistungen informiert auch eine vom Hochtaunuskreis herausgegebene Broschüre, die auch Kontaktdaten enthält. Eine zentrale Ansprechstelle ist der Pflegestützpunkt Hochtaunuskreis in der Kreisverwaltung.




Den Original-Artikel finden Sie unter:
http://www.taunus-zeitung.de/lokales/hochtaunus/usinger-land/Gut-aufgestellt;art48706,1462517



Quelle: www.taunus-zeitung.de, Text und Foto: Frank Saltenberger