Häufige Fragen (FAQ)

Ein Interview mit der Koordinatorin der ambulanten Begleitung Diana Milke (D.M.) und dem Vorstandsmitglied Wolfgang Hülsen (W.H.)

 

 W.H.: Wie haben Sie sich in die Aufgabe einer Koordinatorin der ambulanten Begleitung   eingearbeitet und wie gefällt Ihnen die Aufgabe ?
 D.M.: Ich habe meine Stelle am 1.12.2013 angefangen und finde meine Arbeit sehr befriedigend. Als Koordinatorin besteht meine Aufgabe zunächst darin, das Erstgespräch mit den Angehörigen des zu betreuenden Schwerstkranken zu führen und eine(n) geeignete(n) Begleiter(in) für den Kranken zu finden.
Begleitung bedeutet, einen Schwerkranken bis zu seinem Lebensende zu begleiten, so dass er in Würde und weitgehend ohne  Angst hinübergehen kann. Immer mehr Menschen haben den Wunsch, auch bei schwerster Krankheit zu Hause versorgt zu werden und dort die letzten Tage ihres Lebens im Kreis ihrer Lieben zu verbringen.
Manchmal sind die Angehörigen am Lebensende der Patienten auch überfordert. Daher schlage ich den Angehörigen und wenn es geht, den Patienten einen Besuch im stationären Hospiz vor, damit sie sich ein Bild vom Hospiz und der intensiven körperlichen und psychosozialen Betreuung machen können. Die Betreuung ist übrigens für die Patienten kostenlos.
Eine weitere Aufgabe sehe ich darin, engen Kontakt zu Krankenhäusern, Pflegeheimen, Palliativteams, Sozialstationen und anderen verwandten Institutionen herzustellen und zu erhalten, damit das ganze Hilfe-Spektrum für die Angehörigen und Patienten abgedeckt werden kann und sie entsprechend beraten werden können.
 
 W.H.: Worin besteht eine Begleitung?
 D.M.: Wir unterstützen die Angehörigen in ihrer häuslichen Situation und wollen für sie ein einfühlsamer Ratgeber und Gesprächspartner sein. Da ich ausgebildete Krankenschwester bin und mich schon seit langem mit den Fragen der Sterbebegleitung befasst habe, kann ich die Angehörigen umfassend beraten und ihnen auch Tipps für ihre schwere Pflegearbeit geben. Festzuhalten ist, dass wir weder Pflegekräfte noch Hauswirtschafter sind, sondern reine Begleiter, die die Situation ein Stück weit mittragen und die Angehörigen  durch Hilfsdienste unterstützen und entlasten.
 
  2. 
 W.H.: Was ist wichtig beim Umgang mit den Angehörigen und den Patienten ?   
 D.M.: Wichtig ist für uns, das Eingehen auf die individuelle Situation, die jedes mal anders ist.    Was für die Angehörigen wichtig ist, versuche ich im Gespräch herauszufinden. Was dem Patienten gut tut, kann letztlich nur er selbst bestimmen. Darauf möchten wir eingehen. Dies kann ein Gespräch sein, das „Übersetzen“ eines Arztbriefes“ oder das Vorlesen einer Tageszeitung oder das gemeinsame Hören von Musik.  Dabei kann es auch durchaus mal fröhlich zugehen. Die Angehörigen werden insoweit entlastet, als sie während des Besuches des ambulanten Helfers etwas Eigenes unternehmen können z.B. ins Kino gehen oder Einkäufe tätigen  können. Auch sie müssen einmal durchatmen um wieder zu sich selbst zu finden. Dieser Kontakt zu den Kranken, zu den Angehörigen, zu unseren ehrenamtlichen Hospizhelfern, das ist  das Schöne an meiner Arbeit.
 
 W.H.: Wie oft werden die Patienten besucht ?
 D.M.: Auch das ist von Fall zu Fall verschieden und richtet sich nach den jeweiligen Bedürfnissen. In der Regel ist dies zweimal pro Woche ca. 2 Stunden, in denen ein(e) Hospizhelfer(in) nach Hause kommt und zwar soll es immer die gleiche Person sein, damit eine Kontinuität in der Betreuung entsteht.
 
 W.H.: Betreuen Sie die Patienten nur zu Hause oder auch an anderen Orten ?
 D.M.:Wir betreuen Patienten nicht nur zu Hause sondern auch in stationären Hospizen, in Krankenhäusern oder Pflegeheimen, d.h. überall, wo es gewünscht wird.
 
 W.H.: Wer sind die Begleiter ?
 D.M.: Jeder, der an einer Begleitung interessiert ist und sich aufgrund seiner Neigung  und Lebenserfahrung für geeignet hält, kann Begleiter(in) sein bzw. werden. Die ehrenamtlichen Begleiterinnen oder Begleiter der Hospizgemeinschaft Arche Noah erfahren eine ca. 1-jährige Ausbildung, in der sie bzw.er die Hospizhelferqualifikation erhalten. Diese besteht im Erfahren und im Umgang mit Verlust und Tod. Der Schulungszeitraum beträgt ein Jahr und setzt sich zusammen aus drei Wochenenden, zwölf Abenden mit anschließenden Praktika. Hier werden Fragen der Schmerztherapie und praktische Fragen zu Leben und Sterben behandelt. Wichtig hierbei ist die praktische Erfahrung, die während eines Begleitpraktikums gesammelt wird. Daher empfehle ich den Auszubildenden immer ein Praktikum in einem stationären Hospiz, weil sie dort am besten Erfahrung sammeln und ermessen können, worauf es im Umgang mit Schwerstkranken ankommt.
 
 3. 
 W.H.: Wieviel ehrenamtliche Begleiter(innen) beschäftigen Sie und wer trägt die Kosten der Ausbildung ?
 D.M.: Zur Zeit haben wir ca. 25 ehrenamtliche ambulante Begleiter(innen) und worüber ich besonders glücklich bin, ist, dass sich 4 neue Kandidatinnen für eine ambulante Hospizausbildung angemeldet haben. Die Kosten der Ausbildung zahlt die Hospizgemeinschaft Arche Noah, die sich aus Spendengeldern finanziert.
 
 W.H.: Wer trägt die Kosten der ambulanten Begleitung ?
 D.M.: Die Unterstützung der Angehörigen  und die Begleitung der Patienten wird ehrenamtlich und unentgeltlich von unseren Hospizhelferinnen und Hospizhelfern erbracht.
 
 W.H.: Die Hospizgemeinschaft unterhält auch einen „Offenen Trauerkreis“, was ist hierunter zu verstehen?
 D.M.: Die Zeit der Trauer nicht allein bewältigen zu müssen, kann hilfreich und wohltuend für die Angehörigen und Freunde sein. Daher hat die Hospizgemeinschaft einen offenen Gesprächskreis eingerichtet. Hier können sich Trauernde austauschen, nach Wegen durch die Trauer suchen und ihren Gefühlen und Ängsten Ausdruck verleihen. Der Gesprächskreis ist ein „offenes Angebot“, d.h., ohne Teilnahmeverpflichtung, ohne Anmeldung und unabhängig vom zeitlichen Abstand zum Todesfall. Der Trauerkreis trifft sich jeden 4. Dienstag im Monat um 18:30 Uhr in der Geschäftsstelle der Hospizgemeinschaft in der Herzog-Adolphstr.2 in Königstein. Er wird geleitet von der Pastoraltherapeutin Lucia Kehr.
 
 W.H.: Liebe Frau Milke, ich freue mich, dass Sie so tatkräftig in Ihre Aufgabe als Koordinatorin eingetreten sind und danke Ihnen herzlich für das  Gespräch.