Sag ja zu deiner Endlichkeit
Schattenseiten (X) von Pierre Stutz


Ein Satz aus der Todesanzeige von Dorothee Sölle begleitet mich alltäglich: "Sie hatte große Träume, und sie hat eingestimmt in die Endlichkeit des Lebens."

Wenige Worte, die mich tief berühren, weil ich darin den Sinn unseres Lebens erahne:
Ein Leben lang an das Unmögliche glauben, Gottes Traum einer neuen Welt in uns träumen lassen und zugleich Tag für Tag zu verinnerlichen, dass wir sterblich sind. Darum leiste ich Widerstand gegen all die


Allmachtsfantasien und die große Schattenseite des Machtbarkeitswahns in unserer Welt. Wenn alles machbar wird, wenn die Grenzen unseres Menschseins nicht respektiert werden, dann entsteht nicht mehr Lebensqualität, sondern eine tödliche Atmosphäre, in der der Mensch immer mehr Opfer des maßlosen Menschen wird.

Intensivstes Leben in Achtung und Liebe ereignet sich, wenn wir das Sterben und den Tod wieder mehr in unser Leben integrieren. Wirklich glücklich wird, wer ja sagen kann zu seiner Endlichkeit. Beim Begleiten von Sterbenden, beim Verweilen auf dem Friedhof, beim Meditieren des Sterbens der Natur im Herbst kann unsere tiefe Dankbarkeit über den Geschenkcharakter des Lebens wachsen. Dann hinterfragen wir unsere Fortschrittsgläubigkeit und lernen einen anderen Zugang zu unseren Grenzen zu finden und fördern einen einfacheren Lebensstil. So vertiefen wir unseren Glauben, dass wir im Sterben nicht am Ende sind, sondern am Anfang eines vollendeten Lebens in Christus.


Pierre Stutz