HOSPIZARBEIT Angebot im Kreis dank Spenden kostenlos

"Den Tagen mehr Leben geben"
 
SCHMITTEN (kh). Über Geld spricht man nicht. Übers Sterben
noch viel weniger. Sollte man aber, meint Birgit Flesch, Leiterin
des stationären Hospizes in Schmitten-Niederreifenberg.

"Ich habe beobachtet, dass viele Menschen aus falscher Rücksichtnahme den Gang ins Hospiz verwerfen. Dabei ist
unser Angebot für die Betroffenen kostenlos. Und die Angst,
dass die Pflegekasse nicht mitspielt oder man am Ende den
Angehörigen zur Last fällt, damit unbegründet." Dennoch sieht
sich auch Heidelore Wehner, neue Geschäftsführerin der Hospizgemeinschaft Arche Noah Hochtaunus e.V., die mithilfe ehrenamtlicher Hospizhelfer
schwerstkranken und sterbenden Menschen sowie deren Angehörigen zur Seite steht, immer wieder
mit dem Vorurteil konfrontiert: "Das können wir uns doch gar nicht leisten." Insbesondere dann, wenn
eine Betreuung zu Hause nicht mehr möglich ist und eine Aufnahme im stationären Hospiz in
Niederreifenberg sinnvoll wäre: Hier kümmern sich examinierte Pflegekräfte in enger Abstimmung
entweder mit den Hausärzten oder mit Mitgliedern des SAPV -Teams (spezialisierte ambulante
palliative Versorgung) der Nordwestklinik Frankfurt einfühlsam und medizinisch kompetent um bis
zu acht Gäste.

Der Personalschlüssel ist höher als im Pflegeheim, es bleibt Zeit für Gespräche, für eine wirklich
intensive Betreuung, die über die Grundversorgung weit hinausgeht. Ein Angebot, das allen
interessierten Betroffenen, die sich bei einem solchen Schritt meistens eng mit ihren Angehörigen
abstimmen, zur Verfügung steht. Ein Angebot auch, das man nicht kaufen kann und kein Ersatz für
einen Platz im Pflegeheim sein soll. Seit 2009 gelten klare gesetzliche Regelungen. Danach sind
die gesetzlichen Krankenkassen dazu verpflichtet, unter "bestimmten Voraussetzungen" 90 Prozent
der Hospizkosten zu tragen; die restlichen zehn Prozent bringt der Träger der Einrichtung auf.

Die Hospizgemeinschaft Arche Noah Hochtaunus schafft das seit Jahren durch Mitgliedsbeiträge und
Spenden, bringt monatlich mehrere tausend Euro auf. Die "bestimmten Voraussetzungen" sind klar definiert: schwerwiegende Erkrankungen, die in wenigen Wochen oder Monaten zum Tod führen
werden, etwa Krebs, Herz- oder Nierenprobleme im Endstadium. Betroffene müssen dabei keine
Angst vor einem Formularkrieg haben, wie er etwa bei der Festlegung einer Pflegestufe drohen kann.
"Der Kranke oder oft seine Angehörigen sprechen mit dem Arzt darüber, der ein Attest ausstellt.
Danach wird ein Antrag bei der Krankenkasse auf Kostenübernahme gestellt", so Birgit Flesch.
"Das geht sehr schnell." Die Kassen übernähmen die Kosten meistens für die Dauer von vier
Wochen; danach müsse Verlängerung beantragt werden. Das ganze Verfahren sei einfach und
problemlos."Ungleich schwerer ist die Entscheidung, ob man den Weg ins Hospiz gehen soll",
betont Birgit Flesch. Hilfreich seien Patientenvollmachten: "Das erleichtert den Angehörigen die
Entscheidung." Grundsätzlich gelte im Hospiz: "Der Gast ist der Dirigent." Jeder solle selbst
bestimmen können, wie er seine letzten Tage oder Wochen verbringe, ob er essen wolle oder nicht,
ob er Ruhe brauche oder Unterhaltung. Heidelore Wehner hat erfahren, dass viele Gäste durch die
vertraute Atmosphäre im Hospiz noch einmal richtig teilnehmen am Leben - auf andere Art als im
Krankenhaus, wo die unbedingte Erhaltung des Lebens im Vordergrund stehe. In diesem Sinne
zitiert sie die Hospizgründerin Cicely Saunders: "Nicht dem Leben mehr Tage hinzufügen, sondern
den Tagen mehr Leben geben."



Quelle: Usinger Anzeiger