Gut aufgehoben

Das Hospiz ermöglicht ein Sterben in Würde

Zu Lebzeiten machen sich die Wenigsten Gedanken über das Sterben. Zum Schluss geht es gerade bei Schwerstkranken ganz schnell. Was kann man vorbereiten, und was können die Angehörigen für eine rasche Aufnahme ins Hospiz unternehmen?


Niederreifenberg.

„Viele warten viel zu lange", sind sich die stellvertretende Pflegedienstleiterin Bärbel Schmidt und Heidelore Wehner als kaufmännische Angestellte in der Geschäftsführung des Hospizvorstandes einig, denn zum monatlichen Informationsabend kommen meist Angehörige von austherapierten Schwerstkranken, die nur noch eine kurze Lebenserwartung haben.

Im Gespräch kristallisierten sich zwei Haupthürden heraus: die Bürokratie und das schlechte Gewissen der Angehörigen. Beide seien überwindbar, wenn klar sei, dass der Patient nur noch eine Chance auf ein Sterben in Würde habe, sagen beide.

Entscheidende Voraussetzungen für die Aufnahme im Hospiz ist eine weit fortgeschrittene, unheilbare Krankheit, bei der eine Heilung ausgeschlossen und eine palliativ-medizinische Behandlung respektive pflegerische Betreuung notwendig ist. Konkret sind das Krebserkrankungen im Endstadium, das Vollbild der Infektionskrankheit Aids, eine Erkrankung des Nervensystems mit unaufhaltsam fortschreitenden Lähmungen, der Endzustand einer chronischen Nieren-, Herz-, Verdauungstrakt- oder Lungenerkrankung.


Warteliste


Ein Arzt muss die Notwendigkeit eines Hospizaufenthaltes bescheinigen. Die meiste Anfragen kommen laut Schmidt aus Krankenhäusern, wenn schon geklärt sei, dass nach der Entlassung aus der Klinik eine Betreuung zu Hause nicht gegeben sei. Nur ein kleinerer Teil komme von Angehörigen, die mit der Pflege Schwerstkranker überfordert seien. Sollten alle acht Zimmer im Hospiz in Niederreifenberg belegt sein, hätten Betroffene, die von zu Hause kommen, ein Attest des Hausarztes vorausgesetzt, auf der Warteliste Vorrang.

Leichter sei es immer, wenn die Betroffenen selbst eine Aufnahme im Hospiz wünschten. Dabei sei eine aussagekräftige Patientenverfügung wichtig, so Schmidt. Auch müssten in jedem Fall die Einstufung in eine Pflegestufe und die Zusage der Kostenübernahme durch die Krankenkasse erfolgen. Die gesetzliche Neuregelung besage, dass der Hospiz-Gast keinen Eigenanteil zur Finanzierung leisten müsse.

Die täglichen Kosten für Pflege, Betreuung und Unterkunft mit Verpflegung betragen 288 Euro. Die Kranken- und Pflegekassen zahlen anteilig 90 Prozent Zuschüsse. Das Hospiz ist verpflichtet, mindestens 10 Prozent der Kosten zu übernehmen.

Weil die Hospizbewohner bestens aufgehoben sind, sich wie zu Hause fühlen dürfen und auch die Angehörigen mit einziehen dürften, um in den letzten Tagen und Stunden einfach nur da zu sein, brauche niemand ein schlechtes Gewissen zu haben, finden Wehner und Schmidt. Auch wenn es unter den genannten Voraussetzungen für die meisten Kranken kein Zurück gebe, gelte: Sollte sich der gesundheitliche Zustand eines Bewohners während des Aufenthaltes stabilisieren oder verbessern, werde eine Entlassung in den häuslichen Bereich angestrebt.

Der nächste Informationsabend ist für Montag, 4. November, geplant. Weitere Infos unter www.hospizgemeinschaft-arche-noah.de, Telefon (0 60 82) 9 24 80.

 



Quelle: www.taunus-zeitung.de, Text Evelyn Kreutz