Häufige Fragen (FAG)

 

„Die Sterbenden sind wichtig, weil es sie gibt. Sie sind bis zum letzten  Augenblick ihres Lebens
wichtig, und wir werden alles tun, damit sie nicht nur in Frieden sterben, sondern auch bis zuletzt
leben können.“       
(Cecil Saunders, Mitbegründerin der Hospizbewegung und Palliativmedizin in England)


Ein Interview mit der Heim- und Pflegedienstleitung des stationären Hospizes Ingrid Ollendiek (I.O.)
und dem Vorstandsmitglied Wolfgang Hülsen (W.H.).

 W.H.: Sie haben vor einem Jahr Ihren Dienst im Hospiz angetreten, wie haben Sie sich in ihre Aufgaben eingearbeitet und wie gefällt Ihnen die Aufgabe?
  I.O.:Ich möchte an das Zitat von Cecil Saunders anknüpfen: „Das Hospiz steht für die große und weltumspannende Idee, dass wir Menschen einander im Sterben nicht alleine lassen. Hospiz ist also in erster Linie eine Haltung gegenüber den Sterbenden und  ihren Angehörigen; ein Verständnis von Leben, zu dem Krankheit, Leiden und Sterben, Tod und Trauer selbstverständlich dazu gehören.“ Aus diesem Grund habe ich mich auf diese Stelle beworben, um Menschen auf ihren individuellen Weg zu begleiten und sie zu unterstützen. In diesem Jahr erlebte ich berührende  Momente . Unsere Gäste gestalten ihren individuellen Alltag selber und damit ist auch eine liebevolle und lebendige Atmosphäre in unserem Hause. Zuhören, Lesen, Spiele spielen, Trauern dürfen, sich über Kunst Musik und das Leben im Allgemeinen unterhalten, gehört dazu. Auch  was unser Gast nicht will. Dieser selbstverständliche, respektierende und liebevolle Umgang mit der notwendigen Distanz,  gefällt mir sehr und ich fördere diese wertschätzende und wertfreie Kommunikation besonders.
 W.H.:Wer kann im Hospiz aufgenommen werden?
  I.O.:Voraussetzung ist, dass die Betroffenen an einer fortschreitenden Krankheit leiden, bei der eine Heilung ausgeschlossen und eine palliativ-  medizinische Behandlung notwendig ist. D.h., der Patient ist austherapiert und seine Lebenserwartung begrenzt. Wir benötigen für die Aufnahme ins Hospiz einen durch den zuständigen Arzt ausgestellten Antrag, den die Kostenträger   (Kranken- und Pflegekassen) genehmigt haben müssen(Alles Weitere finden Sie auf  unserer Homepage unter „stationär, Aufnahme“).
 
 W.H.: Wer übernimmt die Finanzierung des Aufenthaltes im Hospiz?
  I.O.:

Wie schon unter der Rubrik „Kosten“ ausgeführt, besagt die gesetzliche Neuregelung des § 39 a SGB V vom Juli 2009, dass der Hospizgast keinen Eigenanteil zu seinem Hospizaufenthalt leisten muss. Vielmehr übernehmen die Kostenträger 90 % der Kosten, während die Hospizgemeinschaft der Arche Noah einen Eigenanteil von 10 % trägt. Derzeit beträgt die Summe aller Leistungen pro Person und Tag 302.11 €  Daraus folgt, dass der Verein dringend jährlich Spenden, Mitgliedsbeiträge und ehrenamtliche Mitarbeit benötigt, um als alleiniger Träger des Hospizes seinen Anteil von 10% zu finanzieren.

Anmerkung: Ab 01.01.2017 beträgt der Tagessatz 318,80 € und die Kostenträger übernehmen 95 % der Kosten.

 

 W.H.: Wie läuft der Alltag in einem Hospiz ab?
  I.O.: In erster Linie versuchen wir unseren Bewohnern, deren Lebenszeit begrenzt ist, den Aufenthalt so angenehm wie möglich zu machen. Sie  bestimmen, was sie tun und was sie lassen möchten. Anhand des Biografiebogens, den sie selbst oder die Angehörigen ausfüllen, kennen wir ihre Wünsche und Vorlieben. Sie dürfen an den dafür vorgesehenen Stellen rauchen oder ein Gläschen Sekt trinken. Auch unsere Köchin versucht, Lieblingsgerichte zuzubereiten oder einen Kuchen zu backen. Zu der offenen Atmosphäre trägt bei, dass die Angehörigen rund um die Uhr kommen und gehen dürfen und sich unsere ausgebildeten Pflegekräfte zu den Bewohnern gesellen und auf Fragen Antwort geben. Angehörige können in einem Gästezimmer übernachten und damit die letzte Lebensphase intensiv begleiten. Wir bieten auch einen Fahrservice an, der Angehörige bei Bedarf kostenlos abholt bzw. zurückbringt. Wichtig ist besonders, dass wir Dinge vermeiden, die unsere Bewohner stören könnten.
 
 W.H.: Zum Beispiel?
  I.O.: Viele haben Angst vor der Dunkelheit. So lassen wir dann ein angenehmes Licht brennen oder lassen die Tür einen Spalt offen. Manche fürchten die Stille, wir sogen dann für eine leise Musik. Vor allem vermeiden wir Aufregung.                               
Eine basale Stimulation der Haut, angenehme Düfte  wirken beruhigend. Wir fragen unsere Bewohner immer wieder, was ihnen wichtig ist. So können sie ihre Angelegenheiten selbstbestimmend gestalten und wir helfen ihnen dabei. Wenn sich das Leben schließlich seinem Ende zuneigt, ist es wichtig zu erkennen, ob sie alleine bleiben wollen oder die gewünschte Bezugsperson bei ihnen bleibt. Sie geben meist ein Zeichen und sterben dann ganz friedlich.
 
  
 W.H.: Was ist noch wichtig bei der Gestaltung der letzten Tage?
  I.O.: Die Kommunikation mit den Angehörigen bzw. Freunden hat einen sehr hohen Stellenwert     und wird immer wieder angeboten. Das Aushalten im Zimmer des Sterbenden, Spüren, wenn Rückzug angebracht oder Reden notwendig ist. Auch lediglich das stille Zusammensein kann in dieser schwierigen Phase für den Betroffenen  recht tröstlich sein.  Da jede Mitarbeiterin und jeder Mitarbeiter in meinem Team sich mit den Grundlagen der wertschätzenden Gesprächsführung nach Rogers C.R. befasst hat, können sie bei der Gestaltung der letzten Stunden sehr hilfreich sein.  
 
 W.H.: Wer begleitet die Bewohner und deren Angehörige?
  I.O.: Um eine Begleitung unserer acht  Bewohner gewährleisten zu können, ist ein umfangreiches interdisziplinäres Team erforderlich. Zu diesem Team gehören:  ausgebildete Pflegekräfte,  Ärzte & Ärztinnen , Ehrenamtliche Mitarbeiterinnen & Ehrenamtliche Mitarbeiter, die Verwaltungsangestellte, das Hauswirtschaftsteam, Seelsorger, Psychologen, Schmerztherapeuten, Physiotherapeuten, Palliative Beratung und nicht zuletzt die Ergo-, Musik- und Kunsttherapeutinnen sowie nicht zu vergessen die Trauerbegleitung. Ebenso unterstützt uns Emma- ein Therapiehund-, wenn die Bewohner ein paar Streicheleinheiten verteilen und Kontakt zu einem Hund aufnehmen wollen. Wie man hier gut erkennen kann, ist unser Team in der Lage, eine professionelle Betreuung anzubieten und zu gewährleisten sowie den Angehörigen die Möglichkeit eines  „guten Abschieds“ zu geben.   
 
 W.H.: Möchten Sie noch etwas abschließend mitteilen?
  I.O.:

 Die Trauer der Angehörigen ist der große Schmerz um den Verlust eines geliebten Menschen und die Angst vor dem Leben ohne ihn. Sowohl Sterbende als auch Angehörige befinden sich auf dem Trauerweg, der jedoch in der Gefühlswelt sehr unterschiedlich erlebt wird. Dies  kann sogar dazu führen, dass die Trauererlebnisse vertieft werden und das Gefühl des  Alleingelassenseins aufkommt. Hier hat unser Team die Aufgabe, die unterschiedlichen Trauerabläufe zu erkennen und die nicht synchronen Gefühlsabläufe den Sterbenden und ihren Angehörigen feinfühlig zu erklären und hierbei Hilfestellung zu leisten.

Am Schluss des Interviews schließt sich der Kreis. Die große Zustimmung die wir von den Angehörigen für unsere Arbeit bekommen, ist für mich und das ganze Team eine große Motivation in dem eingangs erwähnten Sinne weiterzuarbeiten, damit die Bewohner bis zuletzt  in Würde leben und sterben können.

 




Schmitten - Niederreifenberg im Januar 2015