Häufige Fragen (FAG)

„ Die Kunst des Sterbens „

Ein Interview mit der Heim- und Pflegeleiterin des stationären Hospizes
„Arche-Noah" der Hospizgemeinschaft Hochtaunus in Schmitten-Niederreifenberg,
Cornelia Ott (C.O.)und dem Pressesprecher der Hospizgemeinschaft Wolfgang Hülsen(W.H.)

 W.H.: Was versteht man unter einem stationären Hospiz ?
 C.O.: Es ist ein Haus, in dem Sterbende und Schwerstkranke in ihrer letzten Lebensphase Aufnahme finden. Unsere Aufgaben sehen wir darin, ihnen die verbleibende Lebenszeit so angenehm wie möglich zu gestalten. Wir nehmen uns die Zeit, unsere Bewohner, wie wir die Patienten nennen, liebevoll zu betreuen, auf ihre Ängste einzugehen und ihre Wünsche zu erfüllen. Mit Hilfe der Palliativmedizin werden die Patienten weitgehend von Schmerzen befreit.
 
 W.H.: Wer hat Anspruch auf Aufnahme ?
 C.O.: Voraussetzung ist, daß der Patient an einer fortschreitenden Krankheit leidet,
bei der eine Heilung ausgeschlossen und eine palliativ-medizinische Behandlung
notwendig ist. D.h. Der Patient ist austherapiert und seine Lebenserwartung ist auf
wenige Wochen bzw. Monate beschränkt. 
 
 W.H.: Wie lange gibt es schon das Hospiz Arche-Noah und wieviel Bewohnern kann es
Aufnahme bieten.
 C.O.: Seit September 2003besteht die Arche-Noah. Für acht schwerstkranke Bewohner
stehen freundliche, helle Einzelzimmer mit Telefon, Fernseher und
zentraler Rufanlage sowie Zusatzbett für Angehörige zur Verfügung.
Im Erdgeschoss haben wir einen gemütlichen Wintergarten, in dem sich Bewohner,
Angehörige aber auch Pflegepersonal treffen und die Zeit miteinander
verbringen können. Bei schönem Wetter halten sich einige der Bewohner
gerne im Garten bzw. dem kleinen Pavillon auf. Mit dem Fahrstuhl und einer
Spezialliege können Bettlägerige in den Garten gebracht werden.
 
 W.H.: Woher kommen Ihre Bewohner ?
 C.O.: Sie kommen meistens aus Akut-Krankenhäusern, weil es dort keine Möglichkeit
der weiteren Behandlung gibt, denn man ist dort auf diese Art der Begleitung überhaupt
nicht eingerichtet. Ein kleinerer Teil kommt aus der häuslichen Umgebung, weil die
Angehörigen physisch oder psychisch überfordert sind bzw. die Angehörigen
als Arbeitstätige sich nicht ausreichend um ihre Schwerstkranken kümmern können.
 
 2. 
 W.H.: Wie läuft der Alltag in einem stationären Hospiz ab ?
 C.O.: In erster Linie versuchen wir unseren Bewohnern, die ja nicht mehr lange
zu leben haben, den Aufenthalt so angenehm wie möglich zu machen.
D.h., unsere Bewohner bestimmen, was sie tun und was sie lassen möchten.
Anhand des Biografiebogens, den sie selbst oder die Angehörigen ausfüllen,
kennen wir ihre Wünsche und Vorlieben. Sie dürfen an den dafür vorgesehenen Stellen rauchen oder ein Gläschen Sekt trinken. Auch die Köchin versucht, soweit das möglich ist, Lieblingsgerichte zuzubereiten oder einen Kuchen zu Backen.


Zu der offenen Atmosphäre trägt bei, dass die Angehörigen rund um die
Uhr kommen und gehen dürfen und sich unsere ausgebildeten Pflegekräfte zu
den Bewohnern gesellen und auf Fragen Antwort geben. Wichtig ist, dass wir auch
Dinge vermeiden, die unsere Bewohner stören könnten.
 
 W.H.: Zum Beispiel.
 C.O.: Viele haben Angst vor der Dunkelheit. So lassen wir dann ein angenehmes
Licht brennen. Manche fürchten die Stille, wir sorgen dann für eine
leise Musik.Vor allem vermeiden wir Aufregung. Beruhigend wirkt auch
eine basale Stimulation der Haut oder angenehmeDüfte, wie auch
die sorgsame Mund- und Lippenpflege wichtig ist.
Wenn es soweit ist, geben die Sterbenden meist ein Zeichen, sie allein zu lassen
und sterben dann ganz friedlich.
 
 W.H.: Was ist noch wichtig bei der Gestaltung der letzen Tage ?
 C.O.: Es scheint ein Zeichen unserer Zeit zu sein, dass weder die Angehörigen noch die bKranken sich zu Lebzeiten ausreichend Gedanken über Sterben, Tod, Bestattung, Erbschaft etc. machen. Dies sind aber ganz wichtige Fragen, die vor dem Tod besprochen, festgelegt und umgesetzt werden müssen. Auch hier stehen wir mit Rat zur Seite. In den Medien gibt es ausreichende Hilfestellung, um für den genanntenFall vorzusorgen (s. Testament, Patientenverfügung, Vollmachten etc.)

In diesem Zusammenhang ist auch ganz wichtig, dass zwischen dem Sterbenden und den Angehörigen „reiner Tisch" gemacht wird. Sonst nagt das Problem an der Psyche der Kranken und später an der der Angehörigen. Oft haben die Angehörigen ein schlechtes Gewissen, dass sie den Kranken von zu Hause weggeben müssen. Auch hier können wir Trosts penden, denn es geht vielen so und die Kranken sind bei uns gut aufgehoben.
 
 3. 
 W.H.: Wer kümmert sich im stationären Hospiz um die Bewohner ?
 C.O.: Unser Pflegeteam besteht neben meiner Person aus 13 examinierten
Kranken- und Altenpflegekräften, die bei ihrer Aufgabe durch ehrenamtliche
Hospizhelfer unterstützt werden. Auf Basis einer 24-Stunden Rufbereitschaft steht
ein Ärzteteam zu Verfügung.So wird den Kranken rund um die Uhr eine
palliativ-medizinische, psychosoziale und seelsorgerische Begleitung rund um
die Uhr geboten. Das Pflegeteam wird fortlaufend in kleinen und großen
Fortbildunseinheiten weitergeschult entweder im Haus oder außerhalb.
Ein Beispiel für die große Fortbildung ist das richtige Bewegen und
Lagern der Patienten (Kinästhetik) oder die palliativ-care Weiterbildung.
 
 W.H.: Die Begleitung ihrer Gäste ist sicherlich eine schwere Aufgabe. Wie
schaffen Sie das ?
 C.O.: Es ist richtig, dass unsere Arbeit sehr anstrengend und oft eine große
Belastung für die Pflegekräfte ist. Das Erstaunliche ist aber, dass wir
nicht abstumpfen, im Gegenteil, die Arbeit ist gleichzeitig eine große
Erfüllung aber auch Herausforderung für uns. Ein kleines Lächeln
der Kranken, der Dank der Angehörigen geben uns Kraft und Motivation.
Außerdem ist entscheidend, daß der „Geist „in unserem Hause stimmt.
Wir versuchen uns zuunterstützen und uns gegenseitig zu helfen, außerdem
Verständnis füreinander zu haben.
 
 W.H.: Wenn Sie einen Wunsch frei hätten, was würden Sie sich wünschen ?
 C.O.: Oh, mit einem Wunsch ist es sicher nicht getan. Entscheidend für uns ist,
daß wir ausreichend Personal haben. Es wäre schön, wenn wir noch eine
Beschäftigungs-Therapeutin einstellen könnten. Was mir Sorgen macht, ist,
daß die Spenden in diesem Jahr erheblich zurückgegangen sind.
Ein Platz im Hospiz kostet 258.- € pro Tag / Bewohner, davon muß die
Hospizgemeinschaft einen Eigenanteil von 10 % tragen, d.h. daß der
Verein jährlich ca. 70.000.- € an Spenden, Mitgliedbeiträgen und ehren-
amtlicher Arbeit aufbringen muß, um als Träger der Einrichtung seine
Aufgaben zu finanzieren. Daher sind wir dringend auf Spenden angewiesen ! 
 
 W.H.: Dem können wir doch abhelfen ?!
 C.O.: Ja, unser Spendenkonto lautet : 270 052 053
BLZ : 510 500 15
Nassauische Sparkasse.